20. Oktober 2023, 11:25 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
„Snoozen“ – also die Schlummertaste zu betätigen und noch ein paar Minuten weiter zu dösen, bis der Wecker wieder klingelt – galt lang als kontraproduktiv für die Erholung über Nacht. Denn es sollte negativen Einfluss auf die Gesundheit haben. Schwedische Forscher haben sich nun noch einmal mit dem Thema auseinandergesetzt, und Überraschendes herausgefunden.
Es gibt die einen, die beim ersten Weckersignal stramm stehen, und daneben die anderen, die am liebsten jede Minute extra Schlaf mitnehmen würden. Letztere zählen wahrscheinlich zu den Snoozern. Das heißt: Sie quittieren das erste Klingeln des Weckers durch Betätigen der Schlummertaste, sodass er in ein paar Minuten erneut ertönt; im Zweifelsfall wieder und wieder. Eine ungünstige Gewohnheit, so glaubte man lang. Die Annahme: Snoozen beeinträchtige die nächtliche Erholung und habe somit negativen Einfluss auf die Gesundheit. Doch das stimmt offenbar nicht.
Übersicht
Studie zu Einfluss von Snoozen auf die Gesundheit
Mitarbeiter der Universität Stockholm wussten um diese, nennen wir sie mal „moderne Sage“. Denn wissenschaftliche Beweise dafür, dass Snoozen der Gesundheit schadet, gebe es nicht. Die Forscher haben es sich zur Aufgabe gemacht, diese zu liefern – doch dabei vielmehr Gegenteiliges herausgefunden.
Eine entsprechende Studie wurde kürzlich in der Fachpresse veröffentlicht.1 Deren Ergebnisse zeigen, dass sich Snoozer zwar kurz nach dem Aufstehen vielleicht etwas „schläfriger“ fühlen als Personen, die von der Schlummertaste fernbleiben. Aber: Es konnten keine negativen Auswirkungen durch das Snoozen auf die Gesundheit festgestellt werden. Diese wären etwa vorhanden, wenn durch die morgendlichen Schlafunterbrechungen die Cortisol-Ausschüttung verstärkt und folglich u. a. die Stimmung der Probanden beeinträchtigt wäre. Zuletzt stellten die Forscher auch keine Einbußen bei der Erholungsqualität des Nachtschlafs fest, wie Studienhauptautorin Tina Sundelin kürzlich in einer Pressemitteilung erklärte.2
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Details zur Untersuchung
Die Studie erfolgte in zwei Teilen. In einem ersten sollten die rund 1700 Probanden zunächst Fragen zu ihren Schlafgewohnheiten beantworten. 69 Prozent von ihnen gaben an, öfter die Schlummertaste zu betätigen. Als Erklärung dafür schilderten sie, nach dem ersten Weckersignal noch zu müde zu sein, um aufzustehen. Snoozen war den Daten zufolge besonders bei jungen Erwachsenen und solchen verbreitet, die dem Schlaftyp der Eulen entsprechen.
Für einen zweiten Studienteil konzentrierten sich die Forscher auf 31 der ermittelten regelmäßigen Snoozer, bei denen verschiedene durch den Lebensstil bedingte Einflussfaktoren (z. B. dauerhafte Schlafprobleme, starkes Schnarchen, Alkohol- oder Drogenmissbrauch, psychische Störungen) ausgeschlossen werden konnten. Diese finalen Probanden waren im Durchschnitt 27,5 Jahre alt, 18 von ihnen weiblich. Sie verbrachten zwei Nächte in einem Schlaflabor. Dabei maßen die Forscher verschiedene Werte, die Rückschlüsse auf die Qualität ihres Schlafes zulassen. An einem der beiden Morgen durften die Probanden die Schlummertaste betätigen – 30 Minuten lang. Am anderen Tag mussten sie unmittelbar nach dem ersten Signal des Weckers aufstehen.
„Ich liebe Snoozen“
„„Bei mir startet kein Tag ohne Snoozen. Egal, wie früh ich aufstehen muss, ich rechne immer eine halbe Stunde dafür zusätzlich mit ein. Denn es gibt morgens nichts Schlimmeres für mich, als nach dem Weckerklingeln sofort aus dem Bett springen zu müssen. Ich möchte langsam und allmählich wachwerden können. Deshalb ist meine Strategie, nicht nur immer wieder auf die Snooze-Taste zu drücken, sondern mir von vornherein für den kommenden Tag mehre Weckzeiten in kurzen Absätzen einzustellen. Da ich zudem seit Jahren auf eine Tageslichtlampe schwöre, werde ich von dezent heller werdendem Licht sowie sanften Tönen in 10-Minuten-Abständen geweckt. Auf diese Weise vom Dösen langsam richtig wachzuwerden, empfinde ich als optimalen Start in den Tag.Interessant an der aktuellen Studie finde ich, dass sie zeigt, dass dieses Verhalten offenbar eher für Menschen typisch ist, die tendenziell später ins Bett gehen und morgens später aufstehen. Denn ich würde mich selbst tatsächlich auch als sogenannte Eule beschreiben.““– Melanie Hoffmann, Redakteurin bei FITBOOK
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Ergebnisse
Es zeigte sich: In der Snooze-Phase konnte ein Großteil der Probanden einiges an Schlaf herausholen. Manche von ihnen brachten es in der halben Stunde auf mehr als 20 Minuten. Die Forscher folgerten daraus, dass es ihre Nachtruhe nicht beeinträchtigt hatte, morgens wiederholt aus dem Schlaf gerissen worden zu sein. Denn es geschah nicht in einer Tiefschlafphase.
Dies hat in einem früheren Gespräch mit FITBOOK zum Thema Snoozen der deutsche Schlafmediziner Dr. med. Michael Feld uns bestätigt. Man befinde sich am Morgen meist in einem Leicht- oder REM-Schlaf, aus dem man relativ leicht geweckt werde. Der Experte hat auch seine Einschätzung dazu abgegeben, ob man sich durch Snoozen noch müder fühlt, als wäre man direkt aufstehen. Den gesamten Beitrag finden Sie hier.
Keine schlechten Werte, dafür bessere Konzentration
Auch ein negativer Einfluss durch das Snoozen auf allgemeine Gesundheitswerte (z. B. das Stresslevel) oder die Ausgeschlafenheit der Probanden im Verlauf des Folgetages wurde nicht festgestellt. Um ihre Einschätzung zu bestätigen, unterzogen Sundelin und ihr Team die Studienteilnehmer direkt nach dem Aufstehen verschiedenen Kognitionstests. Dabei schnitten sie offenbar an dem Studientag, an dem sie 30 Minuten hatten Snoozen dürfen, deutlich besser ab als am anderen.
Halbe Stunde Snoozen offenbar vorteilhaft für die Gesundheit
Zusammenfassend zeigten die Studienergebnisse nicht bloß, dass halbstündiges Snoozen keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit hat, sondern demnach sogar positive. Hierzu zählt laut der Hauptautorin etwa, dass die Schlummertaste-Nutzer eine allgemein geringere Tendenz dazu aufwiesen, aus dem für die Erholung bedeutenden Tiefschlaf aufzuwachen. Zuletzt seien ihre Leistungen in den Kognitionstests überzeugend gewesen.
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Einschränkung
Zu den oben kurz angeführten Ausschlusskriterien für die Teilnahme an der Studie gehörten auch mitunter verbreitete Schlaf-Besonderheiten. Etwa kleinere Probleme damit, in ungewohnten Umgebungen zu schlafen, ebenso gewöhnliche Einschlafschwierigkeiten, diverse körperlichen Beschwerden und mehr. Die Rückschlüsse der Studie, die sich zudem auf nur 31 Probanden der etwa gleichen Altersgruppe beziehen, sind somit nicht von hoher Allgemeingültigkeit.
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Quellen
- 1. T. Sundelin, S. Landry, J. Axelsson (2023) Is snoozing losing? Why intermittent morning alarms are used and how they affect sleep, cognition, cortisol, and mood. Journal of Sleep Research
- 2. Stockholm University: „You don’t lose if you snooze“ (aufgerufen am 19.10.2023)