
15. März 2022, 16:36 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Welcher Sport stärkt die „Männlichkeit“ von Männern? Wenn es um ihre psychische Gesundheit und eine gefestigte Identität gibt, haben zwei finnische Forscher eine klare Antwort: Tanzen.
Bewegung hilft dabei, den eigenen Körper zu spüren. Und eine gesunde Körperwahrnehmung macht selbstbewusst und stärkt die Psyche. Tanzen – speziell Performance – ist eine ganz besondere Art der Bewegung, die viel Disziplin erfordert und laut zwei finnischen Forschern „die Dinge aus verschiedenen Perspektiven betrachten lässt.“ Genau diese Eigenschaft komme besonders Männern zugute, sodass der Sport ihre „Männlichkeit“ auf gesunde Weise stärkt.
Übersicht
Was Tanzen als Sport für die „Männlichkeit“ tut
Für ihre Untersuchung haben die beiden Forscher Kai Lehikoinen und Isto Turpeinen von der University of Arts Helsinki Umfragen unter Männern durchgeführt, die in ihrer Kindheit Teil von Jungentanzgruppen (Ballett, Jazz, Modern Dance usw.) waren. Ziel der Fragen war es, herauszufinden, wie Tanzen als Sport ihre Männlichkeit und ihre männliche Identität im Erwachsenenalter beeinflusst hat und weiterhin beeinflusst. Die Kurzzusammenfassung der Antworten laut der Universitätsmitteilung: Tanzen habe sie zu „besseren Männern“ gemacht. 1
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Wie Tanzen die Selbstliebe stärkt
Die Befragten sagten, Tanzen sei eine gute Möglichkeit, sich körperlich zu spüren und den eigenen Körper so zu akzeptieren, wie er ist. Es half ihnen auch dabei, sich selbstbewusster zu fühlen und Lebenskrisen zu meistern, heißt es weiter. Tanzen bedeutet, sich auf verschiedenen Ebenen ausdrücken zu können. Dies mache toleranter gegenüber Menschen, die anders sind. Dafür bedarf es weder Konkurrenzdenken noch Leistungsmessung. „Tanzen lehrt uns auch, Körpersprache eines anderen Menschen zu lesen. Es hilft uns, das Konzept des Andersseins zu verstehen, und bringt uns dazu, mit ganz unterschiedlichen Menschen zusammenzuarbeiten“, fasst Kai Lehikoinen zusammen. Männer, die diese Fähigkeiten beherrschen, haben eine stabilere Psyche und somit einen gesünderen Umgang mit ihrer „Männlichkeit“.
Die gesamten Ergebnisse der Studie haben die beiden Forscher in ihrem kürzlich veröffentlichtem Buch „Masculinity, Intersectionity and Identity, Why Boys (Don’t) Dance“ veröffentlicht.2
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Noch immer verbergen viele Männer ihre Liebe zum Tanz
Auch wenn es den wenigsten Jungen heute noch so ergeht, wie der Hauptfigur in dem Film „Billy Elliot“ (2000) – darin wird einem Kind, das in den 80er-Jahren in England lebt, wegen seiner Liebe zum Ballett das Leben schwer gemacht – gilt Tanzen in vielen Kreisen noch immer als „unmännlich“, merken die beiden Autoren an. So erzählten einige der befragten Männer, dass sie mit Eintritt in die Pubertät wegen Stigmatisierung das Tanzen ganz oder zwischenzeitlich aufgaben. „Vielen war es zu peinlich, Schulfreunden zu erzählen, dass sie tanzten, und das Verstecken ihres Hobbys wurde zu einer ‚Überlebensstrategie‘. Der Druck von Freunden und nicht von Eltern war fast immer der Grund für die Aufgabe der Aktivität.“
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Veränderung der Geschlechterrollen birgt Hoffnung
Zum Glück ist ein Großteil der Gesellschaft mittlerweile bereit, ein breiteres Spektrum von Männlichkeit zu akzeptieren. Von den interviewten Männern arbeitet der Großteil heute weiterhin als professionelle Tänzer, Tanzlehrer oder Choreografen. Forscher Lehikoinen leitet ebenfalls eine Tanzgruppe speziell für Jungen. „Die Gruppe war schnell gefüllt und einige Kinder wurden sogar auf eine Warteliste gesetzt“. Tanzen als Sport stärke die „Männlichkeit“, indem es Jungen und Teenager bei ihrer Entwicklung unterstützt. „Das Körperbewusstsein ist Teil der Menschheit. Und wir erweitern unser Wissen über die Welt durch unsere Sinne, was das Wohlbefinden steigert. Jeder hat das gleiche Recht, sein eigenes Körperbewusstsein zu entwickeln. Deshalb sollten mehr Männer tanzen.“ Es ist übrigens nie zu spät, damit anzufangen.

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Quellen
- 1. University of Arts Helsinki. (2022). Dance hobby expands masculinity and empowers boys’ identity. (aufgerufen am 15. März 2022)
- 2. Lehikoinen K, Turpeinen I. (2022). Fear, Coping and Peer Support in Male Dance Students’ Reflections. Masculinity, Intersectionality and Identity. Springer Link.