6. Dezember 2024, 11:02 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Manche Frauen sind stärker von Menstruationsbeschwerden betroffen als andere und die Ursachen dafür können vielfältig sein. Nun deckten Forscher einen überraschenden Zusammenhang zwischen dem Vorliegen einer Depression und der Ausprägung von Regelschmerzen auf. FITBOOK-Autorin Laura Pomer erklärt die Studie.
Es gibt Frauen, die es ein Mal im Monat für mehrere Tage förmlich ausknockt. Etwa Betroffene der Unterleibserkrankung Endometriose leiden oft vor und während ihrer Periode unter so extremen Schmerzen, dass sie kaum laufen, geschweige denn arbeiten oder privaten Unternehmungen nachgehen können. Aber auch weitere Befunde – etwa (gutartige) Geschwulste oder Entzündungen in der Gebärmutter, genauso wie der Einsatz bestimmter Verhütungsmittel – können mit stärkeren Menstruationsbeschwerden (Dysmenorrhoe) einhergehen. Noch weniger bekannt ist dagegen der wirkmechanische Zusammenhang zwischen Regelschmerzen und Depressionen. Diesen hat nun eine Studie beleuchtet.1
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Übersicht
Laut Studie begünstigen Depressionen Regelschmerzen
Dass es eine Beziehung zwischen den beiden Themen geben könnte, überrascht auf den ersten Blick wahrscheinlich kaum. Auch Nicht-Betroffene können sich wohl vorstellen, dass es die Psyche belastet, regelmäßig von kaum auszuhaltenden Regelschmerzen ausgebremst zu sein. Doch tatsächlich stellt sich der Zusammenhang offenbar anders dar. Dies fanden nun Forscher der chinesischen Xi’an-Jiaotong–Liverpool-University heraus. „Unsere Ergebnisse liefern erste Hinweise darauf, dass Depressionen eher eine Ursache als eine Folge von Dysmenorrhoe sein könnten“, erklärte dazu Studienleiterin Shuhe Liu in einer Pressemitteilung.2 Anhaltspunkte dafür wiederum, dass Regelschmerzen das Risiko einer Depression erhöhen, wurden nicht gefunden.
Vorgehen bei der Untersuchung
Das Team analysierte Daten von rund 600.000 Frauen aus Europa und 8000 Ostasiatinnen. Dabei setzte es unter anderem die Mendelsche Randomisierung (MR) ein – eine anerkannte Methode der Epidemiologie und Biostatistik.3 Sie wurde entwickelt, um unter Verwendung genetischer Varianten den Einfluss veränderbarer potenzieller Risikofaktoren aus der Umwelt auf u. a. die Gesundheit besser beurteilen zu können. Im aktuellen Fall half sie den Forschern dabei, gleich eine Reihe spezifischer Gene zu identifizieren, die sowohl bei Depressionen als auch Menstruationsschmerzen eine Rolle zu spielen scheinen. Sie fanden heraus, dass Depressionen zu Veränderungen des Hormonspiegels und der Neurotransmitter führen können. Dies beeinflusst die Art der Schmerzverarbeitung des Körpers.

Laut Studie Wie sich die Anzahl der Schritte auf die Psyche auswirkt

Laut Studie Bestimmte Schlafroutine erhöht das Risiko für Depression

Erkrankung kann Ursache sein Welche Mittel bei starken Regelschmerzen helfen – und mögliche Ursachen
Erkenntnisse und deren Bedeutung
Es zeigte sich, dass bei Frauen, die an Depressionen litten, das Risiko für starke Menstruationsschmerzen um 51 Prozent erhöht war. Die Auffälligkeiten bestätigten sich in beiden Datensätzen, sie dürften somit unabhängig von der ethnischen Herkunft und mit dem Wohnort assoziierten Umfeldfaktoren zutreffen. Weiterhin stellten die Forscher fest, dass ein bestimmtes mit der psychischen Erkrankung verbundenes Symptom – Schlafstörungen – die Neigung zu Regelschmerzen weiter verstärkt. In diesem Fall lag die Wahrscheinlichkeit dafür, dass von Depressionen betroffene Frauen auch mit ausgeprägten Regelschmerzen zu kämpfen haben, dreimal so hoch.
„Es ist noch weitere Forschung erforderlich, um die komplizierten Zusammenhänge zwischen den Aspekten vollständig zu verstehen“, so Studienautorin Liu. Doch bereits jetzt machten die Ergebnisse der Untersuchung deutlich, wie wichtig auch die Betrachtung der psychischen Gesundheit von Frauen mit starken Menstruationsschmerzen sei. Ebenso rücke sie die Bedeutung von Maßnahmen gegen Schlafstörungen in den Fokus. Davon könnten womöglich beide Leiden profitieren. Das Team hoffe nun, dass seine Arbeit „zu individuelleren Behandlungsmöglichkeiten und einer verbesserten Gesundheitsversorgung führen (…) kann.“

Wenn ich eine depressive Phase habe, sind meine Regelschmerzen schlimmer
„Die in der Studie erwähnten Zusammenhänge kann ich auch aus persönlicher Erfahrung nur bestätigen. In Phasen, in denen meine chronisch-depressive Verstimmung akut ist, empfinde ich Regelschmerzen immer als ganz besonders unangenehm. Während ich normalerweise nur Schmerzen im Unterbauch verspüre, bemerke ich sie während einer Depression auch im unteren Rücken sowie extrem stark im Bereich von Schambein und Leiste. Manchmal so sehr, dass ich kaum sitzen kann. Auch den verstärkenden Effekt von Schlafstörungen auf die Symptomatik habe ich am eigenen Leib erfahren. Besonders schlimm war für mich die Zeit, in der ich mich auf das Abitur vorbereitet habe. Ich konnte pro Nacht nicht mehr als ein oder zwei Stunden zur Ruhe kommen und befand mich zudem in einer mittelschweren depressiven Episode. Meine Regelschmerzen waren in dieser Zeit wirklich kaum auszuhalten.“