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Alternativmedizin

Bachblüten-Therapie – wie Experten die Wirkung von Rescue-Tropfen einschätzen 

Rescue-Tropfen, auch Bachblüten-Tropfen genannt
Rescue-Tropfen bestehen aus einer bestimmten Mischung verschiedener sogenannter Bachblüten, die auf den britischen Alternativmediziner Edward Bach zurückgehen. Die „Rettungstropfen“ sollen dabei helfen, das seelische Gleichgewicht wiederherzustellen (Symbolbild) Foto: Getty Images

30. Dezember 2022, 19:27 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

„Rescue“ (übersetzt: „Rettung“) ist der Markenname eines Apothekenprodukts, das bei Unruhe und Angstzuständen Linderung verschaffen soll. Die unter anderem in Tropfenform verabreichte Flüssigkeit enthält natürliche Inhaltsstoffe, vor allem Extrakte der sogenannten Bachblüten, und ist aufgrund ihrer Wirkstofffreiheit ohne Rezept erhältlich. FITBOOK hat sich gefragt, wie viel Rescue-Tropfen wirklich bringen können, wenn man sich in einer seelischen Ausnahmesituation befindet, und mit unabhängigen Experten gesprochen.

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Bachblüten, wie sie etwa in Rescue-Produkten enthalten sind, gelten als natürliches Rezept für das seelische Gleichgewicht. Im akuten Bedarfsfall sollen die Extrakte der verschiedenen Blätter und Kräuter dabei helfen, Unruhezuständen zu begegnen. Ebenso setzen einige Menschen auf die dauerhafte Einnahme zur Prävention entsprechender Beschwerden. Doch wirken die angeblichen natürlichen Beruhigungsmittel tatsächlich? Und falls ja, wie?

Rescue-Tropfen gehen auf britischen Alternativmediziner zurück

Laut der Firmenwebsite werden Rescue-Tropfen bzw. -Produkte nach der „Originalmethode von Edward Bach von vor über 90 Jahren hergestellt“. Im Jahr 1930 soll der britische Arzt das alternativmedizinische Behandlungsverfahren mit den nach ihm benannten Bachblüten erfunden haben. Bach handelte in seiner Praxis nach der Theorie, dass körperliche Krankheiten stets eine Folge von seelischen Gleichgewichtsstörungen sind; und starb im Alter von 50 Jahren an Herzversagen. Bach selbst hat einige Fachliteratur zu seiner Bachblüten-Therapie veröffentlicht, deren Effekt jedoch von unabhängigen Instanzen nie wissenschaftlich bestätigt wurde.

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Was sind Bachblüten?

Es sind insgesamt 38 verschiedene Blüten (z. B. „Cherry Plum“, „Wild Oat“, „Hornbeam“ und „Crab Apple“), denen Edward Bach spezifische Wirkweisen und entsprechende Anwendungsgebiete zusprach. Demnach verhelfe „Rock Rose“ zu Furchtlosigkeit, „Impatiens“ zu mehr Geduld, „Clematis“ soll die Konzentrationsfähigkeit erhöhen können, „Star of Bethlehem“ Trost spenden und „Cherry Plum“ gelassener machen.

Auch für die gängigen seelischen (Not-)Zustände etablierte Bach sieben Überkategorien: Ängstlichkeit und Angst, Unsicherheit, mangelndes Interesse an der Realität, Einsamkeit, Überempfindlichkeit, Mutlosigkeit und Verzweiflung sowie Überfürsorglichkeit.1 Diese Erläuterungen sind in den Online-Auftritten verschiedener deutscher Apotheken, in denen Rescue-Produkte erhältlich sind, bis heute genau so nachzulesen.2

Blüten werden in Wasser eingelegt und mit Alkohol aufgefüllt

Laut der Rescue-Markenkommunikation werden die Blütenessenzen „noch immer in Edward Bachs früherem Zuhause in Mount Vernon, Oxford, gewonnen. Von dort werden sie in die Nelsons Fabrik in London geschickt, wo sie nach höchsten Qualitätsstandards verdünnt und abgefüllt werden“. Um besagte Essenzen zu gewinnen, wird ein Großteil der Blüten in Wasser gelegt für mehrere Stunden der Sonne ausgesetzt, bevor sie noch ca. 30 Minuten lang aufgekocht werden. Der so gewonnene Sud wird mit Alkohol (manchmal wohl auch mit Obstessig) aufgegossen und zum fertigen Produkt weiterverarbeitet.

Inzwischen zahlreiche Rescue-Produkte erhältlich

Die meisten Menschen dürften Rescue-Tropfen als Oberbegriff für die beschriebenen Mittel abgespeichert haben, denn damit ist die Marke in den Markt eingetreten. Inzwischen gibt es auch ein Rescue-Spray, daneben Rescue-Pastillen und -Pearls sowie eine Rescue-Creme und ein -Gel zum Auftragen auf die Haut. Die genannten Produkte sind für die Einnahme in den Tagesstunden gedacht, und zwar wahlweise für den Akutfall oder vorbeugend zur regelmäßigen, sprich täglichen Behandlung.

Die Tropfen, Pearls und das Spray gibt es inzwischen auch in einer Extra-Nacht-Ausführung. Diese sollen das Einschlafen erleichtern.

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Was bringen Rescue-Tropfen bzw. Bachblüten-Tropfen wirklich?

Ob Rescue-Tropfen und Co. wirklich etwas bringen – darüber scheiden sich die Geister. Das zeigen die Einträge in verschiedenen Internet-Foren. Während auf der einen Seite zahlreiche Verwender darauf schwören, halten Kritiker sie für „Eso-Quatsch, von einem möglichen Placebo-Effekt vielleicht mal abgesehen“3.

Einschätzung von Experten

Dabei sollte man einen etwaigen Placebo-Effekt nicht unterschätzen. Das erklärt auf FITBOOK-Nachfrage der Psychiater Prof. Hans Moises, der vielen seiner Patienten immerhin „echte“ Psychopharmaka wie Antidepressiva verschreibt. Wenn die Verwender von Rescue-Produkten eine Linderung ihrer Beschwerden erfahren, auf welche Weise auch immer, dann sei das dem Experten zufolge schon viel Wert.

Ähnlich äußert sich der Frankfurter Apotheke Raphael Perl (Pharmacie Raphael). Auch er hält die psychologische Komponente für wesentlich. Zumal es keine wissenschaftlichen Studien gibt, die eine Wirksamkeit belegen würden. Dennoch: „Viele Kunden kaufen das Produkt immer wieder, denn sie erfahren dadurch eine beruhigende Wirkung“, berichtet der Apotheker. Manche von ihnen seien sogar so sehr davon überzeugt, dass sie auch beispielsweise ihren Hund damit behandeln. Ja, das Recue-Sortiment beinhalte inzwischen sogar Präparate für Haustiere.

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Nicht mit anderen pflanzlichen Beruhigungsmitteln vergleichbar

In Apotheken finden sich weitere pflanzliche Beruhigungsmittel. Beispielsweise Kapseln mit Extrakten der Passionsblume, deren u. a. angstlösende Heilwirkung als bestätigt gilt. Noch etwas bekannter: Johanniskraut.

Die genannten sollte man jedoch nicht in einen Topf werfen. Denn im Zuge der Einnahme von Johanniskraut fänden erwiesenermaßen chemische Prozesse statt, erklärt Perl. Dadurch würde der Abbauprozess in den Nieren beeinflusst, weshalb es Warnhinweise gegenüber der gleichzeitigen Einnahme von Johanniskraut und verschiedenen Medikamenten gebe. Die vermeintliche Wirkung von Bachblüten dagegen beruhige einzig auf dem Glauben an die „Energieübertragung“ der verwendeten Kräuter und Äste auf die Tinktur, in der sie eingelegt wird. Die Therapie sei „nicht esoterisch und auch nicht homöopathisch“, so Perl, „es ist ein alternativer Weg“.

Fazit

Ob Rescue-Tropfen etwas bringen oder nicht – das können im Zweifelsfall nur ihre Anwender beantworten. Nebenwirkungen sind nicht bekannt, deshalb kann Ausprobieren wohl zumindest nicht schaden. Jedoch sind Menschen mit ernsthaften mentalen Problemen, z. B. einer Angststörung, im Zweifelsfall nicht die geeigneten „Versuchskaninchen“. Auf der Website der Deutsche Angsthilfe-E.V. finden Betroffene Informationen zu möglichen Hilfsangeboten.

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Quellen

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