16. Dezember 2020, 16:54 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Ist Vitamin C ein mögliches Mittel bei der Behandlung von Covid-19? Bislang fehlten für diesen Therapieansatz seriöse Belege. Eine aktuell noch laufende Studie der Virginia Commonwealth University will herausfinden, inwiefern hoch dosiertes, intravenös verabreichtes Vitamin C bei schweren Covid-19-Symptomen wirksam sein könnte. Die Untersuchung läuft allerdings noch.
Vitamine sind gesund, so viel ist klar. Aber helfen manche auch gegen das Coronavirus? Eine steile These dazu machte im Frühling in den sozialen Netzwerken die Runde. Die Forschung hierzu ist allerdings noch ganz am Anfang.
Hilft Vitamin C wirklich gegen das Coronavirus?
Behauptung: Vitamin C sei ein Viruzid, töte also das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 „höchst effektiv“ ab.
Bewertung: Nach Aussagen von Experten gibt es aktuell noch keinerlei Beleg für eine solche Wirkung von Vitamin C. Einige Forscher sehen in Vitamin C jedoch ein potenzielles Mittel bei der Therapie von schweren entzündlichen Prozessen.
Fakten: Eine Sprecherin des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte konnte die angeblich viruzide Wirkung von Vitamin C auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur nicht bestätigen. Ihr sei eine solche Wirkung nicht bekannt. Auch der Virologe Stephan Günther vom Bernhard-Nocht-Institut zeigt sich skeptisch: Ihm lägen keinerlei Belege vor, dass Vitamin C das Coronavirus abtöten könne.
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Wo Vitamin C tatsächlich hilfreich sein könnte
Allerdings könnte Vitamin C in sehr hohen Dosen zumindest einigen Studien zufolge helfen, den Zustand von Intensivpatienten zu verbessern, etwa bei einer Blutvergiftung. Solche Patienten haben zum Teil einen sehr hohen Vitamin-C-Bedarf. Doch die Forschungslage ist nicht eindeutig: In anderen Studien konnten Wissenschaftler diese Wirkung nicht belegen.
In der chinesischen Stadt Wuhan, die besonders stark von Covid-19 betroffen war, wird derzeit eine klinische Studie zum Einsatz von hoch dosiertem Vitamin C bei Lungenentzündungen durchgeführt. Dabei wird den schwerkranken Patientinnen und Patienten zweimal am Tag je zwölf Gramm Vitamin C injiziert – also in einer Dosierung, die etwa dem 109-fachen des empfohlenen Tagesbedarfs entspricht. Dieser entspricht circa 90 Milligramm bei Frauen und etwa 110 Milligramm bei Männern.
Bis die Ergebnisse der chinesischen Studie vorliegen, wird es jedoch noch eine Weile dauern. Die Zwischenergebnisse scheinen jedoch vielversprechend zu sein
Noch nicht abgeschlossene US-Studie macht Hoffnung
Auch in den USA wird die Wirkung von Vitamin C bei Corona-Patienten untersucht. Ein aktuell noch laufende Studie an der „VCU School of Medicine“ in Richmond, Virginia, deutet darauf hin, dass intravenös verabreichtes, hoch dosiertes Vitamin C tatsächlich schlimme Covid-19-Symptome etwas lindern könnte. In einem Interview mit dem US-Nachrichtensender „ABC7 News“ erklärt der an der VCU forschende Professor und Lungenarzt Dr. Berry Fowler: „Unsere ersten Versuche haben gezeigt, dass hohe Dosen an Vitamin C stark entzündungshemmend wirken.“ Außerdem „benötigten die Patienten sofort weniger Sauerstoff“.
Voraussetzung: Intravenöse Verabreichung
Allerdings betont Fowler ebenfalls, dass die Wirkung niemals mit Vitamin-C-Pillen erreicht werden kann. „ Sie können so viel Vitamin C einnehmen, wie Sie wollen, der Pegel im Blut steigt nie über das Zwei- oder Dreifache des Normalwerts an. Erst wenn wir es spritzen, erreichen wir einen Blutspiegel, der bis zu 6000 Mal höher als der Normwert ist.“
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Fazit zum Einsatz von Vitamin C gegen Corona
Aktuell gibt es weiter keine Belege dafür, dass Vitamin C Coronainfektionen und schwere Covid-19-Verläufe verhindern kann. Die Studien hierzu laufen noch. Erste Zwischenergebnisse der VCU scheinen darauf hinzudeuten, dass intravenös verabreichtes, hoch dosiertes Vitamin C möglicherweise eine lindernde Wirkung bei schweren Symptomen haben könnte. Inwiefern sich dies in der finalen Auswertung und in weiteren notwendigen Studien bestätigt, ist noch offen.