26. Mai 2021, 14:29 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Sind Sie das erstgeborene von zwei oder drei Kindern? Falls ja: Herzlichen Glückwunsch! Sie haben ein geringeres Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte mit in die Wiege gelegt bekommen. Eine aktuelle Studie aus Schweden hat analysiert, inwieweit sich die Anzahl und Reihenfolge bei Geschwistern auf deren kardiovaskuläre Gesundheit auswirkt. Nicht immer sind Einzelkinder im Vorteil.
Nicht nur die Geschwister-Reihenfolge spielt für das kardiovaskuläre Gesundheitsrisiko eine Rolle, sondern auch, wie viele Kinder es insgesamt sind. Denn während Erstgeborene mit ein oder zwei Geschwistern ein geringeres Risiko hatten, stieg es mit der steigenden Anzahl von Brüdern und Schwestern wieder. Die Studienergebnisse sind allerdings mit Vorsicht zu genießen.
Analyse von über 2,6 Millionen Menschen und ihrer Geburten-Reihenfolge
Die Forschenden griffen für ihre Studie auf das schwedische Mehrgenerationenregister zurück. Dabei handelt es sich um eine Datenbank, die die Informationen von über neun Millionen Menschen und deren Eltern beinhaltet. Teil der Analyse waren 1,36 Millionen Männer und 1,32 Millionen Frauen, die zwischen 1932 und 1960 geboren wurden. Durch nationale Register erfuhren die Forschenden, ob ihre Proband*innen in den letzten 25 Jahren einen tödlichen oder nicht-tödlichen kardiovaskulären oder koronaren Vorfall gehabt hatten. Zu diesen Vorfällen zählen unter anderem Herzinfarkte und Schlaganfälle.
Reihenfolge und Anzahl der Geschwister relevant
Die Studie zeigt, dass Erstgeborene ein geringeres Risiko für nicht-tödliche kardiovaskuläre Vorfälle haben als ihre Geschwister. Bei einem tödlichen Ausgang sieht das Ergebnis jedoch anders aus: Erstgeborene Söhne hatten ein höheres Sterberisiko als Kind Nummer zwei und drei. War das erstgeborene Kind eine Tochter, hatte sie zwar ein höheres Sterberisiko als ihr jüngeres Geschwisterkind, aber keinen Unterschied zum dritten Kind.
Wer ein oder zwei Geschwister hat, lebt am gesündesten
Aber nicht nur die Reihenfolge der Geschwister wurde in der Studie beleuchtet, sondern auch die Anzahl der Kinder. Hier zeigte sich: Wer ein oder zwei Geschwister hat, lebt am gesündesten. Einzelkinder hatten ein höheres Risiko für kardiovaskuläre Vorfälle als Personen mit ein oder zwei Geschwistern, aber ein niedrigeres Risiko als solche mit drei oder mehr Geschwistern. Bei einem tödlichen Ausgang zeigte sich das gleiche Ergebnis. Das niedrigste Sterberisiko hatten Personen mit ein oder zwei Geschwistern, gefolgt von Einzelkindern. Menschen mit mindestens drei Geschwistern hatten das größte Risiko.
Ernährung, Rauchverhalten, BMI nicht berücksichtigt
Bei ihrer Analyse berücksichtigten die Wissenschaftler*innen Faktoren wie den sozioökonomischen Status, Adipositas sowie Erkrankungen wie Diabetes, die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), Alkoholismus und Lebererkrankungen. Allerdings weisen sie darauf hin, dass andere Faktoren – wie der Body-Mass-Index, die Ernährung und das Rauchverhalten – nicht berücksichtigt werden konnten. Der Grund: Diese Informationen waren nicht Teil der Datensätze aus den nationalen Registern.
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Warum die Studie mit Vorsicht zu genießen ist
Zudem erinnern die Forschenden daran, dass es sich bei ihrer Arbeit um eine Beobachtungsstudie handelt. Aus diesem Grund ist es nicht möglich, eine definitive Erklärung für die Ergebnisse zu ermitteln und zu sagen, in welchem Umfang die Reihenfolge und Anzahl der Geschwister tatsächlich eine Rolle spielen. Die Anzahl der Kinder könnte sich auch auf die Gesundheit der Eltern ausgewirkt und so die Gesundheit ihrer Sprösslinge beeinflusst haben. Ebenso wäre es möglich, dass es sich bei den Beobachtungen um einen Zufall handelt. Da die Stichprobe mit über 2,6 Millionen Proband*innen aber extrem groß ist, wäre das eher unwahrscheinlich.
Aus diesem Grund erklären die Wissenschaftler*innen, dass weitere Forschung nötig sei, „um die Verbindung zwischen der Anzahl und Reihenfolge von Geschwistern und ihrer Gesundheit zu verstehen“. Nachfolgende Studien sollten sich darauf konzentrieren, biologische oder soziale Mechanismen zu finden, die erklären, warum Erstgeborene ein geringeres Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen haben.