27. August 2021, 3:12 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Gelangweilt im Beruf? Unterfordert, unerfüllt, uninspiriert? Dann bloß raus da! Eine Auswertung mehrerer Studien hat jetzt ergeben, dass ein frustrierender Job das Demenzrisiko drastisch erhöht.
Es muss ja nicht gleich Actionheld-Schauspieler oder Quantenphysikerin mit Aussicht auf Nobelpreis sein – dennoch leiden beruflich erfüllte Menschen im höheren Alter seltener an kognitivem Verfall. Andersherum haben Personen, die ihren Job als sinnlos empfinden, ein deutlich höheres Demenzrisiko. Zu dieser Erkenntnis kam aktuell ein internationales Forscherteam, nachdem sie mehrere Studien zu dem Thema untersucht hatten. Die Wissenschaftler meinen auch, den Grund dafür gefunden zu haben.
Überblick
Ist ein geistig angeregtes Gehirn gesünder?
Dass kognitive Stimulation, also Begeisterung für sein Tun, den Ausbruch von Demenz verzögert oder gar verhindert, wird schon länger vermutet. Allerdings fallen die bisherigen Studienergebnisse recht unterschiedlich aus. So haben Untersuchungen bspw. ergeben, dass ein anregendes Hobby das Demenzrisiko offenbar nicht verringert. Da die Ausübung des Jobs nicht nur einen großen Teil der Lebenszeit einnimmt, sondern auch Identifikationsfläche bietet, wollte ein internationales Forscherteam der Frage auf die Spur gehen, welchen Effekt die Berufswahl auf die Gehirngesundheit im Alter hat. Ihre Ergebnisse, die jetzt im Fachmagazin „BMJ“ veröffentlicht wurden, basieren auf 13 Studien aus Europa und den Vereinigten Staaten, die Verbindungen zwischen arbeitsbedingten Faktoren und chronischen Krankheiten, Behinderung und Sterblichkeit untersuchten.1
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Daten von 107.800 Frauen und Männern ausgewertet
Die Studienautoren werteten verschiedene Daten von 107.896 Männern und Frauen (Durchschnittsalter 45 Jahre) aus, die über einen Zeitraum von durchschnittlich 17 Jahren gesammelt worden waren. Dabei konzentrierten sie sich zunächst auf zwei Faktoren:
- Inwieweit gehen die Probanden einem kognitiv stimulierenden Job nach, und
- als wie hoch schätzen die Wissenschaftler ihr Demenzrisiko ein?
Kognitiv stimulierende aktive Jobs umfassen anspruchsvolle Aufgaben und einen großen Entscheidungsspielraum (auch als Jobkontrolle bekannt), während nicht stimulierende passive Jobs solche mit geringen Anforderungen und fehlender Jobkontrolle sind.
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Wie ein unerfüllter Job das Demenzrisiko erhöht
Unter Berücksichtigung potenziell einflussreicher Faktoren wie Alter, Geschlecht, Bildung und Lebensgewohnheiten zeigten die Ergebnisse, dass das Demenzrisiko für Teilnehmer mit hoch anregenden Jobs im Vergleich zu weniger anregenden Jobs geringer war (Inzidenz 4,8 pro 10.000 Personenjahre in der Gruppe mit hoher Stimulation und 7,3 in der Gruppe mit niedriger Stimulation). Der Befund blieb nach weiteren Anpassungen wie Vorerkrankungen oder Risikofaktoren aus dem Kindes- und Erwachsenenalter bestehen.
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Konzentration bestimmter Hirn-Proteine soll der Grund sein
Die Forscher vermuten, dass ein angeregtes Gehirn eine niedrigere Konzentration drei bestimmter Proteine aufweist. Diese Proteine stehen im Verdacht, Hirnzellen daran zu hindern, neue Verbindungen zu knüpfen. Fehlt es daran, könnte dies die Entstehung von Demenz erheblich begünstigen. „Die Erkenntnis, dass kognitive Stimulation mit niedrigeren Plasmaproteinspiegeln verbunden ist, könnte Hinweise auf zugrunde liegende biologische Mechanismen geben“, erklärt Hauptautor Prof. Mika Kivimäki in einer Medienmitteilung.2
Wer also unzufrieden mit dem Job ist und keine Herausforderung in seinen Aufgaben sieht, sollte sich im Namen seiner späteren geistigen Gesundheit nach einer neuen Stelle umsehen.
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Quellen
- Kivimäki M, Walker KA, Pentti J, et al. (2021). Cognitive stimulation in the workplace, plasma proteins, and risk of dementia: three analyses of population cohort studies. BMJ.
- BMJ Pressemitteilung. Mentally stimulating jobs linked to lower risk of dementia in old age. (aufgerufen am 26.08.2021).