15. November 2023, 11:00 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Frischluft-Fanatiker lassen wahrscheinlich auch im Winter das Schlafzimmerfenster über Nacht offen. Manch anderer dagegen bevorzugt es zum Schlafen mollig-warm. Was jedoch wäre besser für die Schlafqualität und allgemein für die Gesundheit? FITBOOK hat mit einem Mediziner über das Thema gesprochen.
Fühlt sich der vergangene Sommer für Sie auch so weit entfernt an? Dabei ist es nur wenige Monate her, dass FITBOOK sich vor schierer Hitzeverzweiflung fragte, ob man bei hohen Temperaturen bedenkenlos nackt schlafen kann – natürlich ohne Decke und mit weit aufgerissenem Fenster. Zu dem Zeitpunkt war die Angst vor einer Erkältung unbegründet. Doch nun trennen uns von den damaligen Nachtstunden einige Grad Celsius, Tendenz steigend. Ob nun bekleidet oder nicht – wie sieht es bei winterlichen Temperaturen mit dem Schlafen bei offenem Fenster aus?
Übersicht
Im Winter bei offenem Fenster schlafen – ist das sinnvoll?
Es sei allem voran Geschmacksache, sagt uns dazu der Schlafmediziner Dr. med. Michael Feld. „Die einen brauchen‘s beim Schlafen warm und kuschelig, die anderen mögen es lieber kühl und frisch.“ So gebe es diejenigen, die bereits jetzt einen Teufel tun würden, über Nacht das Fenster geöffnet zu lassen. Andere nehmen ein kaltes Näschen da schon lieber in Kauf. Aber was wäre denn aus gesundheitlicher Sicht besser?
„Im Prinzip ist frische Luft immer gut“, so die Überzeugung des Experten. Wobei man es deshalb nicht gleich übertreiben sollte. Hätte man bei kalten Außentemperaturen das Fenster komplett auf, könnte es im Schlafzimmer schnell zu sehr auskühlen, und richtiggehend frieren sollte man beim Schlafen nicht. Dr. Feld mahnt daher zu einer geeigneten Dosis. Darauf gehen wir nachher noch mal ein.
„Frische“ Luft für höhere Schlafqualität
Laut dem Experten wäre ein zumindest gekipptes Fenster im Schlafzimmer sicher zuträglich für die Schlafqualität. Denn frische Luft enthält etwas mehr Sauerstoff. In einem geschlossenen Raum reichert sich die Luft schneller mit Kohlendioxid an. Das sei zwar nicht weiter problematisch sei, führe aber dazu, dass man sie als „stickig“ empfinden könne.
„Luft wird nur dann als frisch erlebt, wenn sie sich bewegt“, erklärt der Experte. Und ein geöffnetes oder gekipptes Fenster bewirke nicht bloß, dass frische Luft hineinkommt, sondern sorge auch für eine gewisse Zirkulation.
Studie sieht Vorzüge in hoher Luftzirkulation im Schlafzimmer
Dr. Felds Schilderungen erinnern an die Erkenntnisse einer jüngeren Studie. In einem vierwöchigen Experiment mit 29 Teilnehmern hatten Wissenschaftler herausgefunden, dass sich mit dem Maß der Luftzirkulation im Raum die Schlafqualität erhöht.
Mithilfe von speziellen Lüftungssystemen (oder vereinfacht: Ventilatoren) testeten die Forscher an den Probanden per Fernsteuerung drei Belüftungsbedingungen: niedrig, mäßig und hoch. Wie sich diese jeweils auf ihre Schlafqualität auswirkten, wurde einerseits anhand von objektiven Parametern zur Beurteilung des Raumklimas bewertet, heißt es in der Arbeit. Weiterhin wurden die Leistungen der Teilnehmer in Kognitionstests bei der späteren Auswertung berücksichtigt sowie deren per Fragebögen ermittelte subjektive Wahrnehmung der erlebten Schlafqualität. Denn auch wer eigentlich ausgeschlafen ist, könnte sich müde fühlen.
Zusammenfassend zeigte sich demnach, dass ein gut belüfteter Raum die Schlafqualität verbessert. Dies ist erstaunlich, da die Untersuchung bei starken Belüftungsbedingungen auch höhere Kohlenstoffdioxid- und Feinstaubkonzentrationen in der Luft hervorbrachte, was eigentlich nachteilig ist. Zudem sank mit der Stärke der Belüftung die Luftfeuchtigkeit im Raum. Es werden daher weiterführende Untersuchungen nötig sein, um die vorläufigen Ergebnisse besser zu verstehen.
Einschränkungen der Studie
Die Untersuchung wurde während der Hochzeit der Corona-Pandemie durchgeführt. Es galten also Kontaktbeschränkungen – die Forscher und Probanden begegneten sich zu keinem Zeitpunkt persönlich. Die für die Studienteilnahme nötigen Informationen wurden u. a. per E-Mail versendet und es gab weiterhin Tutorials dazu auf YouTube.
Die oben angeführten Messungen zum Raumklima haben die Studienteilnehmer entsprechend selbst vorgenommen, mithilfe eines Smartphones und einer speziellen Software. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass ihnen bei der Durchführung Fehler unterlaufen sind. Weiterhin hatten die Probanden zwar die Anweisung, möglichst nichts an ihren allgemeinen Lebensgewohnheiten zu ändern, doch ob sie sich daran gehalten haben, ist für die Forscher nicht nachzuvollziehen. Ihnen war es zudem aus der Entfernung nicht möglich, sämtliche für ein Raumklima relevanten Parameter zu messen. Die Ergebnisse sollten man daher zunächst nicht überbewerten.
Tipps für ein gutes Raumklima
Unabhängig von der Studie hatte das mit der Luftfeuchtigkeit übrigens auch unser Experte angesprochen. Demnach wird Luft schnell trocken, wenn sie zu kalt ist. Das spricht dafür, die Fensteröffnung auf Kipp zu beschränken und ggf. auch mithilfe von Jalousien oder Vorhängen die Stärke des Luftzustroms von außen zu „dosieren“. Dr. Feld nennt weiterhin die Möglichkeit, die Lüftungszeit bei niedrigen Temperaturen entsprechend kürzer zu halten. Im tiefsten Winter reiche es meist, vor dem Zubettgehen zu lüften.

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Was gegen ein geöffnetes Fenster sprechen kann
Frische Luft ist also grundsätzlich gut – wem es nicht zu kalt wird, der kann sein Fenster also auch im Winter zum Schlafen (leicht) geöffnet lassen. Wobei das nicht zuletzt auch davon abhängt, wo man wohnt und wie laut es in der entsprechenden Umgebung ist. So kamen Forscher der Johannes Gutenberg Universität in Mainz 2020 in einer Studie zu dem Ergebnis, dass Verkehrslärm die Herzgesundheit beeinträchtigen kann. Der schädliche Einfluss von Krach ist demnach nachts gravierender als am Tag.