26. Januar 2023, 14:01 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Ein diabetischer Schock wird durch extrem niedrige Blutzuckerwerte ausgelöst und bedeutet unmittelbare Lebensgefahr. FITBOOK hat mit dem Internisten und Diabetologen Dr. Matthias Riedl gesprochen, der erklärt, was genau dabei im Körper passiert und klärt auf über Symptome und mögliche Ursachen.
Der Fachbegriff Hypoglykämie beschreibt eine schwere Unterzuckerung im Rahmen einer Diabetes-Erkrankung. Je nach Schwere der Unterzuckerung kann es zu einem hypoglykämischen Schock kommen. Geläufiger für diesen potenziell lebensbedrohlichen Zustand sind die Bezeichnungen diabetischer Schock oder Diabetesschock.
Übersicht
Was kann einen diabetischen Schock auslösen?
Ein diabetischer Schock kann unterschiedliche Ursachen haben. Dazu zählen eine verringerte Nahrungsaufnahme und der Fall, dass zu viel Insulin gespritzt bzw. in einer anderen Form blutzuckersenkende Medikation eingenommen wurde. Weitere mögliche Auslöser sind körperlicher Stress (z. B. starke Anstrengung) und übermäßiger Alkoholkonsum. Allgemeingültige Blutzuckergrenzwerte sind laut dem Hamburger Internisten und Diabetologen Dr. Matthias Riedl zwar schwer festzulegen – ab einem Blutzuckerwert von 70-60 mg/dl bekomme das Gehirn des Betroffenen jedoch zu wenig Zucker.
Was sind Anzeichen bzw. Symptome für einen hypoglykämischen Schock?
„Das zeigt sich mit Schwäche und Unkonzentriertheit, Unruhe, zittrigen Knie und Schwitzen“, so Dr. Riedl zu FITBOOK. Derartige Symptome sind offenbar als Alarmsignale zu deuten. Werde nun nicht sofort Zucker oder eine andere Art von Kohlenhydraten verzehrt, sinkt laut Dr. Riedl der Blutzucker weiter auf Werte von unter 30 mg/dl. Die nächste Stufe sei der Bewusstseinsverlust.
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Wie reagiert der Körper auf einen diabetischen Schock?
In der Not versuche der Körper, den niedrigen Blutzucker selbst zu steigern. Zu diesem Zweck stößt er viel Adrenalin aus. Der Botenstoff gehört zu den sogenannten Stresshormonen und kann dem Körper dabei helfen, Kräfte zu mobilisieren. In der passenden Situation ist dies ein wichtiger evolutionsbedingter Mechanismus.
Nach einem Diabetesschock aber könne der Adrenalinausstoß laut Riedl zu Herzrasen und Blutdruckkrisen führen – Zustände, die jüngere bzw. ansonsten körperlich gesunde Menschen in der Regel gut wegstecken können. Meist verliere sich nach ein paar Stunden das übermäßig zugeführte Insulin, der Blutzuckerspiegel normalisiere sich. In dieser Zeit sind die Patienten in einem Koma, weshalb man in dem Zusammenhang auch vom „diabetischen Koma“ spricht.
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Für wen ein diabetischer Schock besonders gefährlich ist
Ältere Diabetiker und insbesondere solche mit Vorerkrankungen (z.B. am Herzen) halten die extreme Herz-Kreislauf-Belastung weniger lange aus. „Es besteht dann ein akutes Infarktrisiko“, so der Facharzt, „und außerdem aufgrund des Zuckermangels im Gehirn das Risiko für Krampfanfälle und Aspirationen.“ Der Begriff Aspiration steht in der Medizin für das Eindringen von Flüssigkeit in die Atemwege aufgrund fehlender Schutzreflexe, bspw. bei Bewusstlosigkeit.
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Weitere Risiken durch einen diabetischen Schock
Der Diabetologe Dr. Riedl weist darauf hin, dass ein allergischer Schock neben den o. g. Gefahren auch ein erhöhtes Sturz- und somit Verletzungsrisiko mitbringe. Zudem können wiederholte Hypoglykämien auf die Dauer die Entstehung einer Demenzerkrankung begünstigen.
Umso wichtiger ist, dass Diabetiker auf einen gesunden Blutzuckerspiegel achten und bei Warnsignalen reagieren. Dr. Riedl warnt auch vor unvorsichtigem Alkoholgenuss. „Dadurch kommt es immer wieder zu schwersten, tödlich endenden Hypoglykämien, insbesondere ohne begleitende Nahrungsaufnahme.“