
3. April 2025, 15:17 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten
Nach dem Tod des Bodybuilders und Schauspielers Vittorio „Vito“ Pirbazari (✝44, „Dogs of Berlin“), der während einer Trainingseinheit auf dem Laufband einen Herzinfarkt erlitten haben soll, stellt sich die Frage: Wie kann es passieren, dass scheinbar fitte Menschen so plötzlich an einem Herzinfarkt sterben? Welche Anzeichen gibt es, die oft übersehen werden? FITBOOK wirft einen Blick auf mögliche Ursachen und frühe Warnsignale.
Die Nachricht vom Tod des Berliner Bodybuilders, Fitness-Influencers und Schauspielers Vittorio „Vito“ Pirbazari (✝44) schockiert die Fitness- und Bodybuilding-Szene. Der Regisseur Said Ibrahim, ein Freund Pirbazaris, äußerte sich auf Instagram über die Umstände: Pirbazari soll während einer Trainingseinheit auf dem Laufband in einem Fitnessstudio einen Herzinfarkt erlitten haben. Immer wieder hört oder liest man von solchen Fällen – dass scheinbar gesunde, jungen Menschen plötzlich zusammenbrechen, oft ohne vorherige Warnzeichen. Woran liegt das?
Übersicht
- Studien zeigen: mehr Ablagerungen in Herzkranzgefäßen bei aktiven Sportlern
- Warum erleiden auch fitte, junge Menschen Herzinfarkte?
- Koronare Herzkrankheit häufigste Ursachen für plötzlichen Herztod
- Herzinfarkt kündigt sich nicht unbedingt an
- Warum hatte der „Dogs of Berlin“-Star einen Herzinfarkt?
- Gibt es dennoch frühe Anzeichen eines Herzinfarkts?
- Was tun im Ernstfall?
- Aussichten bei rechtzeitiger Behandlung
- Was sind Risikofaktoren für einen Herzinfarkt?
- Quellen
Studien zeigen: mehr Ablagerungen in Herzkranzgefäßen bei aktiven Sportlern
Regelmäßige körperliche Aktivität ist bekanntermaßen eine bewährte Methode zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Aber könnte Sport auch Herzereignisse begünstigen? Tatsächlich gibt es mehrere Studien, die auf eine erhöhte Anzahl von Fällen koronarer Arteriosklerose – im Volksmund Gefäßverkalkung genannt – bei gut trainierten, männlichen Sportlern mit körperlichem Training hinweisen.
Als wegweisend gilt dabei die Arbeit von Forschern der Humboldt Universität Berlin um Stefan Möhlenkamp, der diesen Zusammenhang für Ü-50-Marathonläufer aufzeigte: Im Vergleich zu Kontrollpersonen mit gleichen Risikofaktoren hatten sie erhöhte CAC-Werte.1 CAC ist ein Marker für Arterienverkalkung und damit ein Indikator für Herzerkrankungen. In einer anderen Studie wiesen die aktivsten Teilnehmer häufiger koronare atherosklerotische Plaques auf.2 Auch 2019 fanden Forscher häufiger erhöhte Koronarverkalkungen bei sehr aktiven Männern im Vergleich zu weniger aktiven Männern.3 Zuletzt fand eine Studie bei Probanden, die bereits Anzeichen von Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen hatten – und ein Aktivitätslevel, das in etwa einem täglichen 6,5-Kilometer-Lauf gleichkam – dass deren CAC-Werte schneller anstiegen, verglichen mit weniger aktiven oder gar inaktiven Probanden (FITBOOK berichtete).
Warum erleiden auch fitte, junge Menschen Herzinfarkte?
Was ist der Grund hierfür? Genau weiß man es bisher nicht. Forscher vermuten, dass der beim Sport erhöhte Blutdruck und Puls zu einem Einriss der Plaque-Oberfläche führen kann. Der Körper versucht dann, den Riss durch eine Gerinnselbildung zu heilen; diese wiederum verstopft das Herzkranzgefäß mit der Folge eines akuten Herzinfarkts, der zu Kammerflimmern und plötzlichem Herztod führen kann.
Nun muss man aber auch sagen: Eine erhöhte koronare Arteriosklerose bedeutet nicht automatisch ein höheres Herzinfarktrisiko. Auch, wenn die genannten Studien zeigen, dass intensive körperliche Aktivität mit einer Zunahme von Koronararterienverkalkung verbunden sein kann. Insgesamt senkt Sport das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen: Der Blutfluss wird verbessert, die Arterien bleiben elastischer, was das Risiko für Bluthochdruck und Gefäßverengungen senkt. Und Sport wirkt auch günstig Wirkung auf Cholesterin und Entzündungswerte.
Koronare Herzkrankheit häufigste Ursachen für plötzlichen Herztod
Andererseits gilt natürlich auch: Bloß, weil Sport generell u. a. die Elastizität der Arterien verbessert, ist man als Sportler auch nicht vor einem Herzinfarkt geschützt. Deshalb darf auch bei sehr fitten Personen nicht die Möglichkeit einer koronaren Herzkrankheit (KHK) übersehen werden! Wissenschaftlichen Berechnungen zufolge ist bei rund fünf Millionen Menschen in Deutschland eine KHK bekannt. Und ab 35 bis 40 Jahren ist die koronare Herzkrankheit (KHK) mit 80 Prozent die häufigste Ursache für den plötzlichen Herztod – auch bei Sportlern.4 Die häufigste Ursache für einen plötzlichen Herztod wiederum ist der Herzinfarkt – dessen Auslöser eine koronare Herzerkrankung ist.
Mit koronarer Herzerkrankung ist umgangssprachlich eine Gefäßverkalkung gemeint. „Wir Kardiologen verstehen darunter Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen, die letztendlich zu entweder Infarkten oder Durchblutungsstörungen des Herzens führen können“, erklärt der Kölner Kardiologe Dr. med. Christopher Schneeweis im Gespräch mit FITBOOK.
Häufig würden diese sogenannten Plaques gar keine Symptome machen: Der Prozess läuft in unseren Gefäßwänden ab, ohne dass wir ihn bemerken. „Im schlimmsten Fall ist der plötzliche Herztod das Erstsymptom einer koronaren Herzkrankheit“, erklärt Schneeweis.
Schlimmstenfalls ist das also die Kette: Plaques, die plötzlich aufreißen, führen zu einem Blutgerinnsel, in dessen Folge das Herz nicht mehr mit Sauerstoff versorgt wird: Herzinfarkt. Dieser wiederum kann Herzrhythmusstörungen auslösen, die ohne Hilfe zum Herzstillstand und dann innerhalb weniger Minuten zum Tod führen können.
Herzinfarkt kündigt sich nicht unbedingt an
„Ein Herzinfarkt kündigt sich nicht unbedingt an“, erklärt Schneeweis. Die Hälfte der Menschen, die einen Herzinfarkt erleiden, erleiden einen plötzlichen Herztod. Aber: Nicht jeder Herzinfarkt führt automatisch zum Herztod – entscheidend ist, ob es zu lebensbedrohlichen Rhythmusstörungen kommt und ob schnell Hilfe da ist.
Prinzipiell ist für einen plötzlichen Herztod im Alter über 35 bei Athleten also primär die koronare Herzerkrankung (also Herzinfarkt) eine der Hauptursachen. Es gibt aber noch andere Ursachen: „In jüngerem Alter sind häufig strukturelle Herzerkrankungen, also Herzmuskelerkrankung oder beispielsweise Herzmuskelentzündung oder Herzrhythmusstörungen die Ursache“, ergänzt Christopher Schneeweis.
Warum hatte der „Dogs of Berlin“-Star einen Herzinfarkt?
Ob der „Dogs of Berlin“-Star eine Vorerkrankung hatte, wissen wir nicht. Laut „BILD“ soll Pirbazari das Training nach einer längeren Verletzungspause infolge eines Brustmuskelabrisses wieder aufgenommen haben. Über seinen körperlichen Zustand soll er in Postings berichtet haben, sich unter anderem optimistisch gezeigt haben, bis Herbst wieder in guter Form zu sein.
Über sein Risikoprofil hinsichtlich Herzkrankheiten ist FITBOOK nichts bekannt. Laut dem Kardiologen ist es das häufig auch den Athleten nicht. Auch, ob eine andere Herzerkrankung vorgelegen hat, wissen wir nicht. Und auch nicht, ob irgendwelche Substanzen konsumiert wurden – auch diese können das Risiko laut Schneeweis erhöhen.
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Gibt es dennoch frühe Anzeichen eines Herzinfarkts?
Zu den häufigsten Vorboten eines Herzinfarkts gehören:
- Schmerzen und Enge- oder Druckgefühl in der Brust
- Blässe und kalter Schweiß
- Brennen in der Brust
- Schmerzen im Oberbauch sowie Übelkeit, Erbrechen
Besonders letztere Symptome sind eher unspezifisch und treffen häufiger auf Frauen mit Herzinfarkt zu. Da sich der Infarkt bei Männern und Frauen unterschiedlich äußern kann und bei Frauen eher mit unspezifischen Symptomen wie Bauchschmerzen einhergeht, bleibt er bei ihnen häufiger und länger unerkannt.
Erfahren Sie mehr zur häufigsten Ursache eines Herzinfarkts – die koronakre Herzkrankheit im folgenden Video:
Was tun im Ernstfall?
Ignorieren Sie die Anzeichen nicht und nehmen Sie die Warnzeichen des Körpers ernst! Bei Anzeichen eines Herzinfarkts, welche teils schon Stunden vorher in leichterer Form von Brustschmerzen auftreten können, sollte man unbedingt einen Arzt rufen. Kommt es zum Herzinfarkt, sollte umgehend der Rettungsdienst über die 112 gerufen werden. Je schneller ein Herzinfarkt behandelt wird, desto geringer ist die Gefahr für Folgeschäden.
Bis der Notarzt eingetroffen ist, bringt man den Patienten in eine schonende Position mit hochgelagertem Oberkörper. Beine nicht hochlagern! Das entlastet das Herz. Tritt Bewusstlosigkeit mit Atem- und Herzstillstand auf, sollte man schnellstmöglich die Reanimation starten. Im Krankenhaus kann die verstopfte Arterie mit einem Eingriff (Herzkatheter) meist wieder geöffnet und so die Durchblutung wiederhergestellt werden.
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Aussichten bei rechtzeitiger Behandlung
Bei rechtzeitiger Behandlung stehen die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung gut und je nach Stärke des Herzinfarkts erholt sich der Patient möglicherweise ohne schwere Folgeschäden. Hier ist wichtig, dass so wenig Zeit wie möglich zur Behandlung vergeht. Bei einem Herzinfarkt ist direktes Handeln erforderlich!

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Ablagerungen in Arterien Körperliche Aktivität kann paradoxerweise Herzinfarkt-Risiko erhöhen
Was sind Risikofaktoren für einen Herzinfarkt?
Rauchen, Übergewicht sowie ein erhöhter Cholesterinspiegel und Bluthochdruck erhöhen das Risiko für einen Herzinfarkt. Außerdem sollte auf ausreichend Bewegung und eine gesunde Ernährung geachtet werden. Zu viel Stress kann ebenfalls ein Auslöser sein. Zudem sind Alter und Geschlecht wichtige Faktoren: Im höheren Alter ist die Wahrscheinlichkeit für einen Herzinfarkt größer. Männer sind häufiger und bereits in jüngerem Alter betroffen als Frauen.
Wichtig ist, zu verstehen, dass die koronare Herzerkrankung keine Erkrankung des Alters ist, sondern sich auch bereits früher manifestieren kann. So haben bspw. die betroffenen Männer bereits in 50 Prozent der Fälle das Ereignis vor ihrem 60. Lebensjahr.