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26. Februar 2025, 4:00 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Ein plötzlicher Taubheitszustand in den Händen – harmlos oder ein Warnsignal? Diese Frage kann letztlich nur eine medizinische Fachkraft sicher beantworten. Doch für eine erste Einschätzung setzen viele auf sogenannte Symptom-Checker. Doch wie genau sind diese digitalen Diagnosehelfer wirklich? Eine Untersuchung der „Stiftung Warentest“ liefert aufschlussreiche Ergebnisse.
Die Stiftung Warentest hat zehn Symptom-Checker untersucht, um deren Treffsicherheit und Nutzen zu bewerten („Stiftung Warentest“-Ausgabe 3/2025).1 Während einige Programme überzeugten, fielen andere mit gravierenden Mängeln durch. Besonders problematisch: Fehlinterpretationen und unnötige Panikmache.
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Übersicht
So funktionieren Symptom-Checker
Das System ist ganz simpel: Nutzerinnen und Nutzer geben ihre Beschwerden in eine App oder auf einer Website ein. Ein Algorithmus analysiert dann die Angaben und listet mögliche Ursachen auf – oft ergänzt durch Verhaltensempfehlungen. Doch die Qualität dieser Diagnosen variiert erheblich, wie der Test zeigt.
Für die Überprüfung erstellten die Testerinnen und Tester fünf fiktive Fallbeispiele – darunter eine Depression, Angina Pectoris und ein Bandscheibenvorfall. Fachärzte und eine Psychotherapeutin begleiteten die Analyse.
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Die 2 besten Diagnosehelfer
Besonders positiv schnitten die Symptom-Checker „Ada“ und „Symptomate“ ab. Beide erreichten die Note 1,9 („gut“) und lieferten zuverlässige Verdachtsdiagnosen.
Andere Anwendungen enttäuschten: Einige präsentierten endlose Listen möglicher Erkrankungen ohne Priorisierung – eine wenig hilfreiche Vorgehensweise. Ein Programm fiel sogar komplett durch. Besonders bedenklich: Bei der Eingabe von depressiven Symptomen inklusive Suizidgedanken antwortete der Symptom-Checker lediglich: „Das habe ich nicht ganz verstanden.“ Auch in einem anderen Fall fiel er negativ auf, indem er bei einer Blasenentzündung unnötig Panik verbreitete und einen Arztbesuch binnen vier Stunden empfahl – obwohl das medizinisch nicht erforderlich war.
Patienten-Navi: Schneller zum Arzttermin
Ein spezieller Anbieter im Test, das „Patienten-Navi“ der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, hebt sich durch eine besondere Funktion ab: Es hilft gesetzlich Versicherten, schneller einen Termin zu erhalten, wenn eine Behandlung innerhalb von 24 Stunden notwendig erscheint.
Die Warentester bewerten das Angebot insgesamt nur als mittelmäßig, da es sich mit Verdachtsdiagnosen eher zurückhält. Doch immerhin zeigte sich in Stichproben: „Im Test bekamen wir in Städten und teils auch auf dem Land kurzfristig Termine, oft noch am selben Tag.“ Eine Buchung ist unter patientennavi.116117.de möglich.
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Fazit
Sind Symptom-Checker sinnvoll? Die Stiftung Warentest sagt Ja – allerdings mit Einschränkungen. „Ein guter Dienst ist zur ersten Orientierung besser als eine Google-Recherche – und kann Patienten zeitig zum Arzt lotsen.“ Gerade bei psychischen Erkrankungen können solche Tools helfen, Unsicherheiten abzubauen. So erklärt Hausarzt Jens Lassen in der Zeitschrift: Ohne eine Empfehlung durch die App könnten manche Betroffene länger zögern, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Mit Material von dpa