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Studie an Mäusen

Forscher weisen Nebeneffekt von Muskelaufbau-Supplement nach

Laut Forschern könnte ein handelsübliches Präparat für Sportler vor Demenz schützen
Laut Forschern könnte ein handelsübliches Präparat für Sportler vor Demenz schützen Foto: Getty Images
Martin Lewicki
Freier Autor

6. September 2023, 14:45 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Viele Menschen neben Nahrungsergänzungsmittel, um ihr Training zu unterstützen und mehr Muskeln zu bekommen. Nun haben Forscher eine bemerkenswerte Entdeckung gemacht – nämlich eine unerwartete Nebenwirkung eines Muskelaufbaupräparats.

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Demenz gehört zu den wohl am meist gefürchteten Krankheiten. Denn die Nervenerkrankung zerstört nicht nur das Erinnerungsvermögen und erlernte Fertigkeiten, sondern verändert auch die Persönlichkeit der Betroffenen. Auch prominente Fälle – wie der von Bruce Willis (FITBOOK berichtete) – sorgen für Aufmerksamkeit und Mitgefühl. Vor allem fragen sich viele Menschen, wie man einer Demenz vorbeugen kann. Amerikanische Forscher haben jetzt herausgefunden, dass ein Supplement, welches Sportler zum Muskelaufbau benutzen, womöglich auch vor Demenz schützen kann. Es könnte der Beginn neuer Therapieansätze sein.

Forscher untersuchten die Wirkung von HMB an Mäusen

Wissenschaftler von der amerikanischen Rush-Universität und des Simmaron-Forschungsinstituts fanden anhand einer Studie heraus, dass das muskelaufbauende Supplement HMB (ß-Hydroxy-ß-Methyl-Butyrat) vor dem kognitiven Verfall schützt. Laut den Forschern trägt es dazu bei, die Lern- und Gedächtnisareale des Gehirns vital zu halten und zudem die für Demenz typische Plaque-Bildung (Verklumpung von Eiweißen) im Gehirn von Mäusen zu reduzieren. Dies berichten sie in der Fachzeitschrift „Cell Reports“.1

Die zu Forschungszwecken eingesetzten Mäuse wurden so gezüchtet, dass sie Alzheimer-Symptome ähnlich wie bei Menschen entwickelten. Alzheimer ist eine Form der Demenz.

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HBM schützt vor Plaque-Bildung im Gehirn

Demenz wird hauptsächlich durch sogenanntes Plaque im Gehirn verursacht. Dabei handelt es sich um Eiweißbruchstücke, Beta-Amyloide, die (vereinfacht erklärt) verklumpen und zum Absterben der Nervenzellen führen. Warum es bei einigen Menschen dazu kommt, ist noch nicht vollständig erklärt. Aber ungesunde Lebensweisen können das Risiko für eine Demenzerkrankung im höheren Alter begünstigen. Die „Alzheimer Forschung Initiative e.V.“ nennt vor allem folgende Risikofaktoren für die Entstehung einer Demenz:2

  • Bewegungsmangel
  • Kopfverletzungen
  • Übermäßiger Alkoholkonsum
  • Feinstaubbelastung
  • Mangelnde Bildung
  • Übergewicht
  • Bluthochdruck
  • Eingeschränkte Hörfähigkeit
  • Rauchen
  • Diabetes
  • Depressionen
  • Mangel an sozialen Kontakten

In der Studie konnten die Forscher an Mäusen beobachten, dass die Einnahme des handelsüblichen Muskelpräparats HMB vor der Plaque-Bildung im Gehirn schützt.

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Was ist HMB bzw. ß-Hydroxy-ß-Methyl-Butyrat?

Das Erstaunliche an der Entdeckung ist die Tatsache, dass es sich bei HMB um ein frei verkäufliches Supplement handelt, das auch Menschen vor Demenz schützen könnte. Kurz erklärt: HMB (ß-Hydroxy-ß-Methyl-Butyrat) ist ein Abbauprodukt der Aminosäure Leucin. Diese ist bei Kraftsportlern ein beliebtes Supplement, da sie das Muskelwachstum fördert.

Wie Wissenschaftler herausfanden, schützt das Abbauprodukt HMB vor einem Abbau der Muskelmasse.3 Deswegen hilft es Sportlern beispielsweise in Stressphasen oder bei kalorienreduzierter Ernährung die Muskelmasse zu erhalten. Außerdem kann HMB ältere und bettlägerige Menschen vor einem Muskelabbau schützen, wie eine Studie aus dem Jahr 2015 herausfand.4

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Forscher hoffen auf neue Therapien gegen Demenz

Obwohl die aktuelle Studie zur Wirksamkeit von HMB an Mäusen durchgeführt wurde, hoffen die verantwortlichen Wissenschaftler, dass der Wirkstoff in Zukunft auch bei Menschen zur Bekämpfung von Demenzerkrankungen eingesetzt werden könnte. „Dies ist möglicherweise einer der sichersten und einfachsten Ansätze, um das Fortschreiten einer Demenz zu stoppen und das Gedächtnis bei Alzheimer-Patienten zu schützen“, kommentiert Kalipada Pahan, einer der Studienautoren, das Ergebnis auf dem Forschungsportal „ScienceAlert“.

Frühere Studien hatten gezeigt, dass bestimmte Proteine, die als neurotrophe Faktoren bezeichnet werden, für eine reibungslose Funktion der Nervenzellen wichtig sind. Die Anzahl dieser wichtigen Proteine ist bei Menschen mit Alzheimer geringer. Laut den Forschern führt HMB zu einem Anstieg der neurotrophen Faktoren. „Unsere Studie ergab, dass HMB nach oraler Einnahme in das Gehirn gelangt, um diese nützlichen Proteine zu vermehren, neuronale Verbindungen wiederherzustellen und das Gedächtnis sowie das Lernen bei Mäusen mit alzheimerähnlichen Symptomen wie Plaque zu verbessern“, erklärt der Forscher Pahan.

Er betont, dass es wichtig sei, zu verstehen, wie die Krankheit funktioniert, um Medikamente zu entwickeln, die das Fortschreiten einer Demenz stoppen können. Im nächsten Schritt wollen die Forscher noch weiter untersuchen, wie das Supplement im Detail gegen die Demenz wirkt. Und natürlich gilt es zu prüfen, ob auch bei Menschen die positiven Effekte eintreten. Gegen die Einnahme von HBM – auch über einen längeren Zeitraum – spricht laut aktuellem Erkenntnisstand jedenfalls nichts.

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Quellen

Themen Demenz
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