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Studie liefert Hinweise

Können kurze Schläfchen tagsüber vor Demenz schützen?

schläfchen gehirn: Mann macht im Büro ein Nickerchen
Manche Menschen sind eher zu Nickerchen veranlagt als andere Foto: Getty Images

26. Juni 2023, 10:53 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Jetzt ein kleines Nickerchen: Für eine Weile die Augen schließen, bringt neue Power. Doch wie wirkt es auf die Gesundheit? Diese Frage ist komplex und die Antworten sind umstritten. So fanden Forscher eine Verbindung zwischen längeren Schlafeinheiten am Tag und Alzheimer. Jetzt liefern Wissenschaftler gegenteilige Hinweise. Demnach könnte es dem Gehirn nützen, tagsüber Schläfchen zu machen. Was dahintersteckt.

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Dieses Bild kennen sicher die meisten: Opa oder Oma im gemütlichen Sessel, die Augen geschlossen, sie dösen eine Runde. Doch ist das nun gut oder schlecht? Womöglich macht es einen Unterschied, ob man tagsüber lange oder kurz schläft. Ähnlich, wie es sich auch beim Nachtschlaf verhält, der Untersuchungen zufolge dauerhaft weder zu kurz noch zu lang sein sollte. So konnte eine Studie etwa aufzeigen, dass mehr als eine Stunde Schlaf täglich das Risiko für Alzheimer um 40 Prozent erhöhen kann. Dieselbe Arbeit deckte auch auf, dass Nickerchen bei Alzheimer-Patienten häufig länger werden – und deshalb das längere Schlafen sogar Anzeichen der Erkrankung sein kann (FITBOOK berichtete).1 Einer neuen Forschungsarbeit zufolge sind kurze Schläfchen hingegen gut für das Gehirn. Sie könnten es sogar vor der Entstehung von Demenz schützen.

Nickerchen können genetisch veranlagt sein

Der aktuellen Studie war eine Untersuchung vorausgegangen, die genetische Varianten identifiziert hatte, welche mit Nickerchen am Tag in Verbindung stehen. Mit anderen Worten: Menschen mit diesen Varianten sind genetisch dazu veranlagt, häufiger tagsüber ein Schläfchen zu machen als Personen, die diese nicht besitzen.2

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Ablauf der Studie

Aufbauend auf diesem Wissen analysierten die Forscher des University College London nun Gesundheitsdaten von 378.932 Menschen im Alter von 40 bis 69 Jahren. Dabei verglichen sie Gehirne und Gedächtnisleistungen von Personen, die genetisch auf Schläfchen am Tag „programmiert“ sind, mit Personen, die diese Veranlagung nicht besitzen.3

„Dies ist die erste Studie, die versucht, den kausalen Zusammenhang zwischen gewohnheitsmäßigem Nickerchen am Tag und kognitiven und strukturellen Gehirnleistungen zu entwirren. Durch die Untersuchung von Genen, die bei der Geburt festgelegt werden, können durch die Mendelsche Randomisierung Störfaktoren ausgeschlossen werden, die im Laufe des Lebens auftreten und den Zusammenhang zwischen Nickerchen und gesundheitlichen Ergebnissen beeinflussen können“, erklärt Studienautorin Valentina Pazdas Studiendesign in einer Universitätsmitteilung.4 Den Forschern ging es also darum, zu belegen, dass kurze Schläfchen tagsüber tatsächlich direkt positiv die Gesundheit des Gehirns beeinflussen.

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Wirkung von Schläfchen auf das Gehirn

Die Studie ergab, dass das Gesamtgehirnvolumen der „genetischen Schläfer“ im Durchschnitt größer war als bei den Vergleichspersonen. Diesbezüglich waren die Gehirne der zu Nickerchen neigenden Probanden vergleichbar mit denen von Menschen, die 2,6 bis 6,5 Jahre jünger sind. Ein größeres Gehirnvolumen, so heißt es in der Universitätsmitteilung zur Studie, gelte als Marker für ein gesundes Gehirn und sei u. a. mit einem geringeren Demenzrisiko verbunden.

Auf das Volumen des Hippocampus (Schaltstelle zwischen Kurz- und Langzeitgedächtnis) hatten die Schläfchen laut Messungen der Experten hingegen keine Auswirkung. Auch bei der Reaktionszeit und der visuellen Verarbeitung konnten sie keine Unterschiede zwischen den genetisch veranlagten Tagsüber-Schläfern und den „Nicht-Schläfern“ feststellen.

Einschränkung der Studie

Die Forscher betonen, wie wichtig es sei, das Phänomen des „Tagsüber-Schlafens“ besser zu verstehen – wo es herkommt und wie es sich auswirkt, sowohl positiv als auch negativ. Denn sie beträfen gerade ältere Menschen, also genau die Altersgruppe, die auch gehäuft von Krankheiten wie Demenz geplagt ist. Genau hier liefere die aktuelle Studie wichtige, neue Erkenntnisse. Nämlich, dass die genetische Veranlagung zu Schläfchen für ein größeres Gesamtgehirnvolumen sorge.

Aber es bleiben auch Fragen offen. So benennen die Forscher nicht, was genau unter „kurzen Schläfchen“ zu verstehen ist. Auch wird nicht klar, ob, und wenn ja, inwieweit die Häufigkeit und Dauer der Nickerchen tagsüber für die Gehirngesundheit eine Rolle spielen. Außerdem kann die Studie nicht erklären, warum die Schläfchen offenbar keinen positiven Effekt auf das Hippocampusvolumen sowie die kognitiven Funktionen „Reaktionszeit“ und „visuelle Verarbeitung“ hatten. Auf Letzteres weisen die Autoren der Studie in ihrem Bericht selbst hin. Weitere Forschung sei nötig, um dies zu erklären, oder herauszufinden, ob gewohnheitsmäßige Nickerchen hier sogar negativ wirken könnten.

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Quellen

Themen Demenz Schlaf

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