
3. April 2025, 19:25 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten
Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes, Rauchen oder schlechte Blutfettwerte – Millionen Menschen weltweit sind von einem oder mehreren dieser Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen. Was viele nicht wissen: Schon der Gesundheitszustand im mittleren Alter kann darüber entscheiden, wie alt man wird – und wie viele dieser Jahre man tatsächlich gesund bleibt. Eine global angelegte Studie aus Deutschland hat nun genau das untersucht. Sie liefert besorgniserregende Erkenntnisse, zeigt aber zugleich, dass schon kleine Veränderungen etwas bewirken können.
Unter anderem zeigt die Studie, dass sich fünf weitverbreitete Risikofaktoren schon ab dem 50. Lebensjahr massiv auf die spätere Gesundheit auswirken können. Wer davon betroffen ist, hat ein deutlich höheres Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder einen frühen Tod. Doch wie stark sind die Effekte wirklich – und was passiert, wenn man in der Lebensmitte gegensteuert?
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Übersicht
Die 5 betrachteten Risikofaktoren
Im Jahr 2019 starben weltweit rund 17,9 Millionen Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen – das entspricht etwa 32 Prozent aller Todesfälle. Von diesen waren 85 Prozent auf Herzinfarkte und Schlaganfälle zurückzuführen.1
Vor diesem Hintergrund analysierte ein Forschungsteam des Global Cardiovascular Risk Consortium des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, wie sich fünf bekannte Risikofaktoren auf die langfristige Gesundheit auswirken:
- Bluthochdruck (Hypertonie)
- erhöhte Blutfettwerte (Hyperlipidämie)
- Diabetes
- Rauchen sowie
- Unter– oder Übergewicht (BMI außerhalb des Normalbereichs).
Der Fokus lag dabei auf dem Gesundheitszustand im Alter von 50 Jahren – einem Lebensabschnitt, in dem sich Risiken noch beeinflussen lassen.2 Laut bisherigen Schätzungen sind diese fünf Faktoren für etwa die Hälfte aller Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich. Die Risikofaktoren setzten die Wissenschaftler in Bezug zum Auftreten von Herzinfarkt, Schlaganfall, Tod durch kardiovaskuläre Ereignisse sowie Tod durch unbekannte Ursachen.3
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Wie wird die Lebenserwartung beeinflusst?
Zweck der Studie war, herausfinden, wie viele Lebensjahre Menschen im Durchschnitt gewinnen oder verlieren – je nachdem, ob sie mit 50 Jahren diese fünf Risikofaktoren aufweisen oder nicht. Dabei ging es sowohl um die gesamte Lebenserwartung als auch um die Jahre, die jemand ohne Herz-Kreislauf-Erkrankungen lebt.
Außerdem wollten die Forscher wissen, wie sich spätere Änderungen einzelner Risikofaktoren auf die Lebenserwartung auswirken, etwa wenn jemand mit 55 Jahren das Rauchen aufgibt oder seinen Blutdruck behandelt.
Studiendesign und Methoden
Insgesamt wurden Individualdaten von 2.078.948 Teilnehmenden ab 18 Jahren aus 133 Kohortenstudien analysiert – aus 39 Ländern auf sechs Kontinenten. Die Forscher bereiteten die Daten auf und verglichen sie miteinander. Anschließend berechneten sie für jede Person, wie hoch das Risiko ist, zwischen dem 50. und 90. Lebensjahr an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erkranken oder zu sterben – je nachdem, wie viele und welche Risikofaktoren vorlagen. Ebenso wurde das Risiko für den Fall berechnet, dass eine Person keine Risikofaktoren aufwies.
Darüber hinaus wurden sogenannte Risiko-Trajektorien betrachtet – also zeitliche Veränderungen der Risikofaktoren. Damit konnte abgeschätzt werden, welchen Einfluss spätere Verhaltensänderungen (z. B. Rauchstopp oder Blutdruckkontrolle im Alter von 55 bis unter 60 Jahren) auf die gesunde Lebenszeit sowie Lebenserwartung haben. Die Ergebnisse wurden getrennt für Frauen und Männer ausgewertet. Bei der Analyse fanden auch globale Unterschiede sowie Informationen globaler Sterblichkeitsdaten der WHO Berücksichtigung.
Zusammenhang zwischen Risikofaktoren, Lebensstil und Lebenserwartung
Wer mit 50 Jahren alle fünf Risikofaktoren hat – also raucht, unter Bluthochdruck und Diabetes leidet, übergewichtig oder untergewichtig ist und erhöhte Blutfettwerte aufweist – lebt deutlich kürzer und hat ein viel höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall.
Konkret zeigte die Studie
- Frauen mit allen fünf Risikofaktoren hatten ein Risiko von 24 Prozent, im Laufe ihres Lebens eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu bekommen.
- Männer mit denselben Faktoren hatten ein Risiko von 38 Prozent.
Am deutlichsten war der Unterschied bei der Lebenserwartung ohne Entwicklung Herz-Kreislauf-Erkrankungen:
- Frauen ohne Risikofaktoren lebten im Schnitt 13,3 Jahre länger gesund als Frauen mit allen fünf Risiken.
- Männer ohne Risikofaktoren lebten 10,6 Jahre länger gesund als Männer mit allen fünf Risikofaktoren.
Auch bei der gesamten Lebenszeit zeigten sich deutliche Vorteile:
- Frauen ohne die fünf Risikofaktoren lebten im Schnitt 14,5 Jahre länger.
- Männer lebten 11,8 Jahre länger – verglichen mit Gleichaltrigen, die alle fünf Risikofaktoren hatten.
Zusätzlich wurde analysiert, ob spätere Änderungen noch einen Unterschied machen. Das Ergebnis: Wer zwischen 55 und 60 Jahren seinen Bluthochdruck behandelt, gewinnt am meisten zusätzliche Jahre ohne Herz-Kreislauf-Erkrankung. Der größte Gewinn an Gesamtlebenszeit zeigte sich, wenn Betroffene in diesem Alter mit dem Rauchen aufhörten.
Wichtigsten Risikofaktoren
Diabetes und Rauchen
Die wichtigsten Risikofaktoren waren Diabetes und Rauchen. Frauen ohne Diabetes lebten 4,7 Jahre länger ohne Herzkrankheit und 6,4 Jahre insgesamt mehr. Bei Männern waren es 4,2 bzw. 5,8 Jahre. Der Verzicht auf Rauchen brachte beiden Geschlechtern etwa fünf bis sechs Jahre mehr.
Wer nach dem 50. Lebensjahr mit dem Rauchen aufhörte, aber später Diabetes bekam, verlor einen Teil des Vorteils durch den Rauchstopp – etwa 40 Prozent. Das zeigt, wie wichtig es ist, alle Risikofaktoren zu managen.
Bluthochdruck
Es lohnt sich, in der Lebensmitte schlechte Gewohnheiten durch gesündere zu ersetzen, schon kleine Veränderungen im Lebensstil machen einen Unterschied.
Personen, die ihren Bluthochdruck zwischen 55 und 60 Jahren behandelten, gewannen 2,4 Jahre (Frauen) bzw. 1,2 Jahre (Männer) gesunde Lebensjahre. Eine Senkung des Blutdrucks auf einen Wert unter 130 mm Hg brachte Frauen 1,3 Jahre und Männern 1,8 Jahre mehr gesunde Lebenszeit.
Ein Rauchstopp im gleichen Alter brachte Frauen 2,1 Jahre und Männern 2,4 Jahre mehr Lebenszeit. Je mehr Risikofaktoren verringert wurden, desto größer war der Gewinn. Ein normaler BMI (20–24,9) brachte Frauen 2,6 Jahre und Männern 1,9 Jahre mehr gesunde Lebenszeit.
Es gab regionale Unterschiede
In Lateinamerika gewannen Frauen fast fünf Jahre mehr gesunde Lebensjahre durch eine Blutdrucksenkung. In Nordamerika lebten Frauen über fünf Jahre länger, wenn sie Bluthochdruck vermieden. Diese Ergebnisse zeigen sowohl weltweite Gemeinsamkeiten als auch regionale Schwerpunkte bei der Prävention.
Auch Menschen ohne bekannte Risikofaktoren hatten ein bedeutendes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (13 Prozent bei Frauen, 21 Prozent bei Männern), was darauf hinweist, dass es in dieser Region noch unbekannte Faktoren gibt, die das Risiko beeinflussen.
Welche Bedeutung haben die Ergebnisse?
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein gesunder Lebensstil im Alter von 50 Jahren einen spürbaren Einfluss auf die weitere Lebenszeit haben kann – und zwar nicht nur auf das Risiko für einzelne Erkrankungen. Personen, die zu diesem Zeitpunkt nicht rauchten, einen gesunden Blutdruck und Blutzucker hatten, Normalgewicht halten und keine Fettstoffwechselstörung aufwiesen, lebten im Durchschnitt länger und verbrachten mehr Jahre ohne Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Gleichaltrige mit mehreren Risikofaktoren.
Umstellung kann Lebenserwartung verlängern
Zusätzlich legen die Ergebnisse nahe, dass es sich auch im späteren Erwachsenenalter noch lohnen kann, gesundheitsschädliche Gewohnheiten zu verändern. Personen, die mit Mitte 50 das Rauchen aufgaben oder ihren Bluthochdruck behandeln ließen, hatten in der Analyse im Schnitt mehr gesunde Lebensjahre als jene, die keine Veränderung vornahmen.
Einordnung der Studie und mögliche Einschränkungen
Die Untersuchung zählt zu den umfassendsten globalen Analysen zum Thema Herz-Kreislauf-Risiken. Mit über zwei Millionen Teilnehmenden aus 39 Ländern bietet sie eine besonders breite Datenbasis. Zudem wurden die Daten nach einem einheitlichen Standard ausgewertet, was internationale Vergleiche möglich macht.
Allerdings muss beachtet werden, dass die Studie auf Beobachtungsdaten beruht – das bedeutet: Sie zeigt Zusammenhänge, kann aber keine eindeutigen Ursachen beweisen. Auch wurden die Risikofaktoren nur zum Alter von 50 Jahren systematisch erfasst. Faktoren aus der Kindheit oder Jugend sowie genetische Einflüsse wurden nicht berücksichtigt.

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Fazit
Im Vergleich der verschiedenen Risikoprofile zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen Lebensstil und Lebenserwartung. Personen, die mit 50 Jahren keinen der fünf untersuchten Risikofaktoren aufwiesen, lebten im Durchschnitt länger und verbrachten mehr Jahre ohne Herz-Kreislauf-Erkrankungen als solche mit mehreren Risiken.
Die Analyse legt nahe, dass ein gesunder Lebensstil in der Lebensmitte mit einem längeren Leben und besserer Gesundheit verbunden sein kann. Auch spätere Veränderungen – wie etwa ein Rauchstopp oder die Behandlung von Bluthochdruck – könnten sich dabei positiv auswirken.