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Millionen betroffen, kaum bekannt

Beine zucken und zappeln? Daran erkennt man das Restless-Legs-Syndrom

Restless-Legs-Syndrom
Beim Restless-Legs-Syndrom kann es u. a. zu ziehenden oder stechenden Schmerzen in den Beinen kommen – verbunden mit einem starken Bewegungsdrang oder unkontrolliertem Zucken Foto: Getty Images / AndreyPopov
Anna Echtermeyer
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, Sylvia Petersen

4. Februar 2025, 4:32 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Ein unangenehmer Schmerz zieht unerwartet durch Ihre Beine. Sie können einfach nicht stillhalten. Vielleicht haben Sie das Restless-Legs-Syndrom, so wie Millionen andere, die nichts davon wissen. Als Ursache vermuten Wissenschaftler, dass der Eisenhaushalt und der Nervenbotenstoff Dopamin im Gehirn nicht richtig funktionieren. Die gute Nachricht: Das Syndrom der unruhigen Beine ist zwar lästig – lässt sich aber gut behandeln.

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Auf fachliche Richtigkeit geprüft von
Prof. Dr. med. Frank Erbguth
Prof. Dr. med. Frank Erbguth, Neurologe und Präsident der Deutschen Hirnstiftung

Plötzlich zuckende Beine, ein quälender Bewegungsdrang und schlaflose Nächte – das Restless-Legs-Syndrom (RLS) betrifft Millionen, bleibt aber oft unerkannt. Betroffene leiden nicht nur unter unangenehmen Missempfindungen, sondern auch unter massiven Schlafstörungen, die ihre Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Doch warum ist diese weit verbreitete neurologische Erkrankung noch immer ein Rätsel für viele Ärzte? Welche Auslöser gibt es – und welche Behandlungsmöglichkeiten können wirklich helfen? FITBOOK hat sich Studien angesehen und sagt, mit welchen Maßnahmen und Medikamenten man das Syndrom der unruhigen Beine in den Griff bekommen kann.

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Anzeichen für das Restless-Legs-Syndrom

Typisch für die auch als „Syndrom der unruhigen Beine“ bekannte Krankheit RLS sind unangenehme bis schmerzhafte, zum Teil schwer zu beschreibende Missempfindungen sowie ein ausgeprägter Bewegungsdrang vor allem der Beine; mitunter aber auch anderer Körperregionen. Die Beschwerden treten dann auf, wenn der Körper zur Ruhe kommt. Abends oder nachts sind sie stärker ausgeprägt als am Tag – vor allem zu Beginn der Erkrankung kommen sie oft nur abends vor. Bei vielen Betroffenen kommt es zudem zu unwillkürlichen Beinbewegungen im Schlaf, sodass nicht nur die Einschlaf-, sondern auch das Durchschlafen gestört sind. Der ständige Drang sich zu bewegen kann sehr belastend sein und die Lebensqualität einschränken – da der Schlaf stark beeinträchtigt ist.1 Verstimmungen, Müdigkeit und Erschöpfung am Tag können die Folge sein. RLS kann Betroffene gar ihrem sozialen und beruflichen Aktivitäten stark beeinträchtigen. Oft sind es Schlafstörungen, die Betroffene dazu veranlassen, einen Arzt aufzusuchen.

Wer von RLS betroffen ist

Das Restless-Legs-Syndrom ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Laut Deutscher Hirnstiftung sind zwischen fünf und zehn Prozent der Bevölkerung davon betroffen – Frauen deutlich stärker als Männer. Meist treten die ersten Symptome im mittleren Erwachsenenalter auf, also zwischen 30 und 40 Jahren. Es kann aber auch schon bei Kindern vorkommen.2

Warum oft Jahre bis zur Diagnose vergehen

Die Krankheit wurde bislang nicht sehr weit erforscht. Als Grund darf vermutet werden, dass sie sich so gut behandeln lässt – welche Möglichkeiten es gibt, lesen Sie weiter unten. Doch das Nicht-Wissen führt dazu, dass viele Ärzte sich nach wie vor wenig bis gar nicht mit dem Restless-Legs-Syndrom auskennen. Oft werden die Symptome vom Hausarzt nicht erkannt, entsprechend können bis zur eindeutigen Diagnose Jahre vergehen.

Nach einem Bericht der Zeitschrift „Medical Tribune“ ist RLS eine der teuersten neurologischen Erkrankungen. Pro Jahr verursacht sie einen Schaden von etwa 34 Milliarden Euro. Der Grund: Betroffene werden nicht rechtzeitig behandelt, das Restless-Legs-Syndrom und die damit verbundenen Schlafstörungen führen auf die Dauer zu Leistungsabfall, Krankheitstagen und weiteren Erkrankungen wie Depressionen und Herz-Kreislauf-Problemen.

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Formen von RLS – Erkrankung vs. Begleiterscheinung

Es gibt zwei Varianten des Restless-Legs-Syndroms: Das primäre RLS und das sekundäre RLS. Beim primären RLS handelt es sich um eine eigenständige Erkrankung, wohingegen bei der sekundären Variante die unruhigen Beine eine reine Begleiterscheinung sind.

Das weiß die Forschung über primäres RLS

Wissenschaftler vermuten, dass der Eisenhaushalt und der Nervenbotenstoff Dopamin im Gehirn nicht richtig funktionieren. Neue Erkenntnisse brachte 2017 die Studie des Helmholtz Zentrums München und der Technischen Universität München.3 Ein Forscherteam hatte 45.000 Patienten untersucht. Das Ergebnis: Gene, die an der embryonalen Entwicklung des Nervensystems beteiligt sind, spielen eine Schlüsselrolle. Das bedeutet, dass Betroffene mit dieser neurologischen Störung bereits zur Welt kommen. Warum sich das Restless-Legs-Syndrom aber erst sehr viel später im Leben bemerkbar macht, ist weiterhin unklar.

Sekundäres RLS

Beim sekundären RLS sind die unruhigen Beine eine reine Begleiterscheinung. Sie können durch eine andere Erkrankung wie Niereninsuffizienz oder Eisenmangel ausgelöst werden. Auch in der Schwangerschaft ist das RLS häufig. Nach Angaben der Deutschen Restless Legs Vereinigung entwickelt es fast jede vierte Frau während ihrer Schwangerschaft.4 Die Gründe dafür sind unbekannt. Nach der Geburt vergehen die Beschwerden meist wieder.

Auch Medikamente können ein sekundäres RLS hervorrufen. Dazu zählen Antidepressiva der Kategorie SSRI (Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) und bestimmte Arzneimittel gegen Übelkeit wie z. B. Paspertin. Wird die Ursache behoben und setzt man beispielsweise das auslösende Medikament ab, verschwindet normalerweise auch das RLS. Das trifft übrigens auch für Schwangerschaften zu.

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Diese Behandlungsmöglichkeiten gibt es

Das Restless-Legs-Syndrom ist sehr lästig, aber nicht lebensbedrohlich. Und: Es lässt sich durchaus gut behandeln. Wenn die Beine unruhig sind, hilft nur eines: bewegen, bewegen, bewegen! Manche laufen umher, andere fahren im Bett Fahrrad. Bei schwach ausgeprägtem Restless-Legs-Syndrom können bereits wenige Minuten helfen. Je nach Schweregrad kann es aber auch mehrere Stunden dauern bis Linderung eintritt.

Wenn die zappelnden Beine zunehmend zur Belastung werden, sollte man sich ärztliche Hilfe holen. Da es sich um eine neurologische Erkrankung handelt, gehören Betroffene in die Hände von Neurologen. Sie klären zunächst ab, ob es sich um ein sekundäres oder primäres RLS handelt. Dazu untersucht man unter anderem die Eisenwerte im Blut.

Eisenpräparate und Parkinson-Medikamente können helfen

Bei ausgeprägtem Bewegungsdrang und einem Eisenmangel kann die Gabe von Eisenpräparaten helfen. Andere gut wirkende Medikamente erhöhen den Botenstoff Dopamin im Gehirn.

Mit diesen Präparaten wird auch das Parkinson-Syndrom behandelt. Das hört sich beängstigend an, doch einen Zusammenhang zwischen beiden Krankheiten gibt es bislang nicht. Es ist auch nicht erwiesen, dass das Restless-Legs-Syndrom zu Parkinson führt. Es hat sich aber gezeigt, dass RLS-Patienten auf Parkinson-Medikamente gut ansprechen. Diese sogenannten Dopamin-Agonisten (wie beispielsweise Pramipexol) werden aber wesentlich niedriger dosiert als bei Parkinson-Patienten. Trotzdem können als Nebenwirkungen Impulskontrollstörungen wie Sex-, Spiel- und Kaufsucht auftreten. Wer das an sich beobachtet, sollte dringend Rücksprache mit seinem Arzt halten. Helfen die Dopaminagonisten nicht, sind in schweren RLS-Fällen Opioide das letzte Mittel der Wahl. 

Themen Restless-Legs-Syndrom

Quellen

  1. Deutsche Hirnstiftung, Deutsche Gesellschaft für Neurologie, Restless Legs Vereinigung und Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung: Leitlinie Restless Legs Syndrom (2023, aufgerufen am 29.01.2025) ↩︎
  2. Deutsche Hirnstiftung: Restless Legs Syndrom – weit verbreitet und doch wenig bekannt (2022, aufgerufen am 29.01.2025) ↩︎
  3. B. Schormair, C. Zhao, S. Bell, E. Tilch, A. V Salminen, B. Pütz et al. (2017). Identification of novel risk loci for restless legs syndrome in genome-wide association studies in individuals of European ancestry: a meta-analysis. The Lancet. ↩︎
  4. Deutsche Restless Legs Vereinigung: RLS und Schwangerschaft (aufgerufen am 29.01.2025) ↩︎

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