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Kardiologe über koronare Herzkrankheit: »Plötzlicher Herztod ist schlimmstenfalls Erstsymptom

Kardiologe Dr. med. Christopher Schneeweis
Ob herzgesund, krank oder genesen – Kardiologe und FITBOOK Expert Christopher Schneeweis erklärt, worauf es wirklich ankommt Foto: MOJOFILM
Anna Echtermeyer
Redakteurin

4. April 2025, 4:23 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Die koronare Herzkrankheit ist eine schleichende Bedrohung, die sich oft erst im schlimmsten Moment zeigt. Was viele nicht wissen: Für rund die Hälfte der Betroffenen ist der plötzliche Herztod das erste Symptom. Kardiologe und FITBOOK Expert Christopher Schneeweis erklärt, warum die Krankheit so tückisch ist, welche Warnsignale man kennen sollte und wie moderne Therapien Leben retten können.

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Ein erhöhter LDL-Cholesterin– und ApoB-100-Wert sind entscheidende Risikofaktoren für Arteriosklerose und damit auch für die koronare Herzkrankheit (KHK). Zu viel davon im Blut kann die Gefäße langsam verengen – eine große Zahl der Betroffenen spürt das erst, wenn es fast zu spät ist. Denn im schlimmsten Fall ist der plötzliche Herztod das erste Symptom einer koronaren Herzkrankheit. Der Kardiologe und FITBOOOK Expert Dr. med. Christopher Schneeweis erklärt im FITBOOK-Interview, warum die koronare Herzkrankheit so gefährlich ist, wie es dazu kommt, welche Symptome man kennen sollte und wie die Erkrankung behandelt wird.

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FITBOOK: Was genau ist die koronare Herzkrankheit?
Dr. med. Christopher Schneeweis: „Mit koronarer Herzerkrankung ist umgangssprachlich eine Gefäßverkalkung gemeint. Wir Kardiologen verstehen darunter Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen, die letztendlich zu entweder Infarkten oder Durchblutungsstörungen des Herzens führen können.“

„Im schlimmsten Fall ist der plötzliche Herztod das Erstsymptom einer koronaren Herzkrankheit“

Was ist die häufigste Komplikation der koronaren Herzkrankheit?
„Häufig machen die Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen, die sogenannten Plaques, im Initialstadium gar keine Symptome. Dieser Prozess läuft in unserer Gefäßwand ab, ohne dass wir ihn bemerken. Das erste Symptom eines Herzinfarktes wäre der plötzliche Herztod. Circa 50 Prozent der Patientinnen oder Patienten, die einen Herzinfarkt erleiden, erleiden einen plötzlichen Herztod. Ganz wichtig: Ein Herzinfarkt kündigt sich nicht unbedingt an. Im schlimmsten Fall ist der plötzliche Herztod das Erstsymptom einer koronaren Herzkrankheit.“

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„Zwischen Frauen und Männern bestehen teilweise unterschiedliche Symptome“

Was sind andere, mögliche Anzeichen einer koronaren Herzkrankheit?
„Das Symptom, das viele mit der koronaren Herzkrankheit direkt in Zusammenhang bringen, ist das akute Druckgefühl auf der Brust. Die Schmerzen können bis in den linken Arm oder in die Kieferregion ausstrahlen. Aber auch diese müssen nicht unbedingt vorhanden sein, denn zwischen Frauen und Männern bestehen teilweise unterschiedliche Symptome. Frauen können beispielsweise auch Beschwerden in der Oberbauchregion haben oder Übelkeit, aber auch Beschwerden in den Schulterblättern oder in den Schultern. Die Koronare Herzkrankheit lässt sich nicht anhand eines einzigartigen Symptoms direkt ausschließen.“

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„Häufigste Ursache sind Cholesterinablagerungen in den Gefäßwänden“

Was ist die Ursache für eine koronare Herzkrankheit?
„Die häufigste Ursache für die koronare Herzerkrankung ist letztendlich, dass es zu Cholesterinablagerungen in unseren Gefäßwänden kommt. Warum das so ist, ist noch nicht abschließend geklärt. Was wir wissen, ist, dass vor allen Dingen das LDL-Cholesterin bzw. der Bestandteil ApoB-100 (Apolipoprotein B-100, A. d. Red.) in die Gefäßwand einwandert. ApoB-100 ist das Transporter-Protein für diese ganzen atherogenen Proteine wie LDL-Cholesterin, IDL-Cholesterin, VLDL-Cholesterin und Lipoprotein(a). Das LDL mit dem Bestandteil ApoB-100 wandert also in die Gefäßwand ein, verändert sich, es oxidiert. Dann kommen sogenannte Makrophagen, die eigentlich nichts anderes wollen, als diesen Prozess zu heilen. Die Makrophagen nehmen das LDL-Cholesterin auf und wachsen dann zu sogenannten Schaumzellen an. Diese senden inflammatorische Botenstoffe aus, die nach außen entzündliche Reaktionen signalisieren. Dadurch wandern weitere Entzündungszellen ein, sodass wir letztendlich Ablagerungen haben, die sogenannten Plaques.“

„Häufigste Behandlung ist das Aufdehnen der Gefäße und Einsetzen eines Stents“

Wie wird die Erkrankung behandelt?
„Wir müssen versuchen, die ursächlichen Problematiken, wie einen erhöhten LDL-Cholesterin- oder ApoB-100-Spiegel, zu senken. Das heißt, wir setzen Medikamente ein. Lipidmodifizierende Therapien sorgen dafür, dass die angesprochenen, spezifischen Cholesterinwerte sinken. Wir versuchen damit, den Plaque nicht nur zu stabilisieren, dass er hoffentlich nicht einreißt. Sondern das soll auch vermeiden, dass dieser Plaque zunimmt. Dann schauen wir uns an, ob es durch diese Ablagerungen schon zu Durchblutungsstörungen des Herzens kommt. Man kann das mit unterschiedlichen Methoden feststellen. Je nach Art der Durchblutungsstörung hätten wir dann Therapiekonzepte wie beispielsweise die Herzkatheteruntersuchung, bei der diese Ablagerungen behandelt werden können. Die häufigste Behandlung bei der stabilen koronaren Herzerkrankung ist das Aufdehnen in den betroffenen Bereichen der Gefäße und Einsetzen eines Stents, also einer Gefäßstütze. Sie vermeidet, dass der Plaque wieder neu entsteht bzw. dass erneut eine Engstelle entsteht. Es ist aber ganz wichtig, die Risikofaktoren zu minimieren.“

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Sie haben gesagt, dass der Herzinfarkt als akute Komplikation einer koronaren Herzkrankheit eine vorrangige Rolle spielt. Wie wird dieser behandelt?
„Ein Patient, der vom Notarzt die Diagnose akuter Herzinfarkt hat, muss direkt in eine Klinik gebracht werden, die ein Herzkatheterlabor zur Verfügung hat. Dort ist es möglich, das verschlossene Gefäß wieder zu eröffnen und den Blutfluss für das Herz schnell wieder zu regenerieren.“

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Über FITBOOK Expert Dr. Schneeweis

Dr. med. Christopher Schneeweis ist Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie. Seine Ausbildung absolvierte er u. a. an der Justus-Liebig-Universität Gießen, der Charité Berlin – wo er mehr als sieben Jahre am Deutschen Herzzentrum der Charité tätig war – und dem Cardioangiologischen Centrum Bethanien in Frankfurt/Main. Mit seinem Podcast „Herzcheck“. und als @doc_schneeweis auf Instagram macht er medizinisches Wissen für Laien zugänglich. Der Kardiologe ist Protagonist der bislang 3. Staffel FITBOOK Experts; weitere Experts sind die Dermatologin Dr. med. Emi Arpa sowie die Zahnmedizinerin Dr. med. Anne Heinz. Sämtliche Folgen mit den Medizinerinnen finden Sie hier.

Themen FITBOOK Experts Herzgesundheit

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