20. Oktober 2026, 19:55 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Plötzlich riecht der Schweiß anders, das Lieblingsparfüm wirkt ungewohnt, und auch das Deo scheint nicht mehr so gut zu wirken wie früher. Dahinter steckt bei Frauen ab 40 oft die hormonelle Umstellung der Wechseljahre: Wenn sich Östrogenspiegel, Haut und Mikrobiom verändern, verändert sich mit ihnen auch der ganz persönliche Körpergeruch. Was genau dahintersteckt und was helfen kann, hat FITBOOK bei einer Expertin nachgefragt.
„Der Körpergeruch entsteht nicht durch einen einzigen Faktor. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Hormonen, Haut, Schweiß und den Mikroorganismen auf der Haut“, erklärt Dr. med. Heidi Gößlinghoff, Frauenärztin, Reproduktionsmedizinerin und Psychotherapeutin mit dem Schwerpunkt Kinderwunsch und hormonelle Frauengesundheit.
Hormone
Im Zentrum steht das Hormon Östrogen. Während der Perimenopause, der Übergangsphase vor der Menopause, schwankt der Hormonspiegel zunächst deutlich, nach der Menopause sinkt er dann dauerhaft. Das wirkt sich direkt auf die Haut aus, denn Östrogen beeinflusst Feuchtigkeit, Hautbarriere und Kollagen. Sinkt der Spiegel, wird die Haut häufig trockener und verändert ihre Zusammensetzung.
Schweiß
Hinzu kommen Hitzewallungen und Schweißausbrüche, typische Begleiter der Wechseljahre, durch die deutlich mehr Schweiß auf der Haut entsteht. „Mehr Schweiß bedeutet aber nicht automatisch mehr Körpergeruch“, so Dr. Gößlinghoff. „Schweiß selbst ist zunächst weitgehend geruchlos. Der typische Körpergeruch entsteht erst, wenn bestimmte Bestandteile des Schweißes und der Hautsekrete von Bakterien auf der Haut abgebaut werden.“ Eine besondere Rolle spielen dabei die Achselhöhlen. Dort sitzen viele sogenannte apokrine Schweißdrüsen, deren Sekret Substanzen enthält, die Hautbakterien in flüchtige, geruchsaktive Verbindungen umwandeln.
Haut und Mikrobiom
Mit dem Hautmikrobiom ist die Gesamtheit der Mikroorganismen gemeint, die natürlicherweise auf unserer Haut leben und wesentlich zur Hautgesundheit beitragen. Mit zunehmendem Alter verändern sich Feuchtigkeit, Talgproduktion sowie Hautbarriere und damit auch das Zusammenspiel zwischen Haut und Mikrobiom. Diese Verschiebung ist einer der Gründe, warum sich der Eigengeruch mit den Jahren wandeln kann.
Der besondere Duftstoff 2-Nonenal
„Eine mögliche Rolle spielt dabei 2-Nonenal, eine chemische Verbindung, die mit dem sogenannten Altersgeruch in Verbindung gebracht wird. Sie entsteht auf der Haut, wenn bestimmte Fettsäuren des Hauttalgs mit Sauerstoff reagieren. Der Geruch wird häufig wenig schmeichelhaft als grasig, fettig oder leicht ranzig beschrieben“, so Frau Dr. Gößlinghoff. „Anders als viele Schweißbestandteile ist die Substanz zudem nicht wasserlöslich und lässt sich deshalb nicht immer einfach mit Wasser und Seife entfernen. Das bedeutet allerdings nicht, dass jede Frau ab 40 automatisch diesen Geruch entwickelt oder 2-Nonenal die alleinige Ursache für Veränderungen ist. Es ist nur ein möglicher Faktor unter mehreren.“
Wo macht sich der veränderte Körpergeruch besonders bemerkbar?
Achselhöhlen
Achselhöhlen fallen besonders auf, weil hier viele Schweißdrüsen sitzen. Veränderungen können aber auch an Füßen, Kopfhaut, Rücken oder in Hautfalten spürbar werden.
Intimbereich
„Im Intimbereich kommt ein weiterer Mechanismus hinzu: Sinkt der Östrogenspiegel, wird die Vaginalschleimhaut dünner und trockener, und auch das vaginale Mikrobiom verschiebt sich“, erklärt Frau Dr. Gößlinghoff. „Bei Frauen nach der Menopause findet sich im Durchschnitt weniger Lactobacillus (Milchsäurebakterien), der normalerweise wesentlich zum sauren vaginalen Milieu beiträgt. Allerdings sollte ein deutlich fischiger oder unangenehmer Geruch nicht einfach den Wechseljahren zugeschrieben werden. Er kann zum Beispiel auf eine bakterielle Vaginose hinweisen. Treten zusätzlich ungewöhnlicher Ausfluss, Juckreiz, Brennen oder Schmerzen auf, gehört das zeitnah gynäkologisch abgeklärt.“
Hilft eine Hormonersatztherapie gegen den veränderten Geruch?
Eine Hormonersatztherapie lässt nicht automatisch alle Veränderungen des Körpergeruchs verschwinden. Sie kann aber typische Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen und Nachtschweiß lindern. Hängt der veränderte Geruch vor allem mit starkem Schwitzen zusammen, kann sich das Problem dadurch verringern.
Auf Haut, Schweiß und Hautmikrobiom wirkt eine Hormonersatztherapie jedoch nicht so, dass der Körper einfach in den Zustand vor den Wechseljahren zurückkehrt. Wie stark sich der Eigengeruch verändert, hängt von mehreren Faktoren ab.
Was hilft sonst gegen veränderten Körpergeruch?
„Hier braucht es keine komplizierte Strategie, denn sanfte Körperpflege ist wichtiger als besonders häufiges Waschen“, rät Frau Dr. Gößlinghoff. „Milde Reinigungsprodukte reichen in der Regel aus und nach dem Duschen sollten vor allem Achselhöhlen, Füße und Hautfalten gut getrocknet werden. Aggressives Schrubben oder häufiges Desinfizieren ist dagegen keine gute Idee, weil dadurch die Hautbarriere und das natürliche Hautmikrobiom belastet werden können. Bei starkem Schwitzen kann ein Antitranspirant helfen, ebenso leichte, atmungsaktive Kleidung und ein regelmäßiger Wechsel verschwitzter Kleidungsstücke.“
Wann sollte man einen neuen Körpergeruch abklären lassen?
Ein veränderter Eigengeruch allein ist normalerweise kein Grund zur Sorge. Anders sieht es aus, wenn die Veränderung sehr plötzlich auftritt, ungewöhnlich stark und unangenehm ist oder über längere Zeit anhält. Bei einer deutlichen und unerklärlichen Veränderung lohnt sich ein ärztlicher Blick.
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Riecht das Lieblingsparfüm im Alter wirklich anders?
Manchmal scheint sich nicht nur der eigene Körpergeruch verändert zu haben, sondern auch das Lieblingsparfüm riecht plötzlich anders oder gefällt nicht mehr wie früher. Dafür gibt es zwei mögliche Erklärungen: Zum einen trifft der Duft auf veränderte Haut, deren Zusammensetzung und Feuchtigkeit beeinflussen, wie sich Duftstoffe entfalten. Das Parfüm kann also tatsächlich anders riechen.
Zum anderen kann sich auch die eigene Geruchswahrnehmung verändern. Der Zusammenhang zwischen Sexualhormonen und Geruchssinn ist allerdings komplex und die Studienlage dazu nicht eindeutig.
Fazit: Der Körper verändert sich, nicht die Hygiene
Wenn Frauen ab 40 plötzlich anders riechen, hat das meist nichts mit mangelnder Körperpflege zu tun, sondern mit der hormonellen Umstellung, die über Hitzewallungen sowie Veränderungen von Haut und Mikrobiom auf den Körpergeruch wirkt. Wer sich selbst plötzlich anders riecht, muss deshalb nicht gleich das gesamte Badezimmer neu ausstatten: Ein mildes Waschprodukt, bei Bedarf ein passendes Antitranspirant und ein aufmerksamer Blick auf die Haut reichen häufig aus. Auffälliger Intimgeruch oder eine starke, anhaltende und unerklärliche Veränderung sollten dagegen medizinisch abgeklärt werden.