2. März 2021, 14:03 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Händewaschen ist wichtig, denn es schützt uns vor potenziellen Krankheitserregern. Doch wieviel Grad sollte das Wasser idealerweise haben, um bei der Reinigung der Hände möglichst effizient zu sein? Ist warmes Wasser besser als kaltes?
Dass eine gute Handhygiene wichtig ist, um sich gegen Keime, Bakterien und Viren zu schützen, sollte eigentlich jedes Kind wissen. Gründliches Händewaschen mit Wasser und Seife gehört zu unserem Alltag – etwa nach dem Gang zur Toilette, nach dem Einkaufen im Supermarkt oder nach der Zubereitung von rohem Fleisch. Aber auch, wenn wir Tiere streicheln, etwas zu Essen in die Hand nehmen oder viele fremde Hände geschüttelt haben, ist Händewaschen wichtig. Zumindest der letzte Punkt ist durch die Corona-Pandemie selten geworden. Trotzdem wurde dem gründlichen Händewaschen wohl lange nicht mehr so viel Aufmerksamkeit geschenkt wie im vergangenen Jahr. Denn Covid-19 hat uns schmerzlich bewusst gemacht, wie wichtig Infektionsschutz ist.
Inhalt
Effektives Händewaschen – Anleitung
Die Hände sind die häufigsten Überträger von Krankheitserregern. Wer mit schmutzigen Händen das Gesicht berührt, riskiert, dass Krankheitserreger über Mund, Augen und Nase in den Körper eindringen. Und das kann schnell zu Infekten führen. Regelmäßiges und gründliches Händewaschen mit Wasser und Seife ist eine einfache, aber wirkungsvolle Schutzmaßnahme, die jede*r befolgen kann.
Und so geht effektives Händewaschen laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA):
- Nass machen: Die Hände werden unter fließendes Wasser gehalten.
- Rundum einseifen: Handinnenflächen, Handrücken, Daumen, Fingerzwischenräume und Fingerspitzen sollten gründlich eingeseift werden.
- Zeit lassen: Gründliches Händewaschen dauert mindestens 20 Sekunden, bei stark verschmutzten Händen auch länger.
- Gründlich abspülen: Die Hände sollten unter fließendem Wasser abgespült werden.
- Sorgfältig abtrocknen: Das Abtrocknen der Hände – auch der Fingerzwischenräume – gehört zum wirksamen Händewaschen dazu. Durch das Abtrocknen werden Keime entfernt, die noch an den Händen oder im restlichen Wasser an den Händen haften.
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Welche Wassertemperatur ist ideal, um Bakterien abzutöten?
Warmes Wasser ist beim Händewaschen bestimmt effizienter als kaltes? Falsch gedacht! Denn auch wenn sich dieser Mythos hartnäckig hält, spielt die Wassertemperatur beim Händewaschen tatsächlich keine Rolle. Viel wichtiger sind Dauer und Maß der Reibung beim Einseifen der Hände, schreibt die BZgA. Das bestätigten auch Forschungen der Rutgers University in New Brunswick. Die Forschungsgruppe konnte bei Wassertemperaturen von 15 sowie 38 Grad Celsius nicht feststellen, dass bei einer der Temperaturen deutlich mehr Bakterien abgetötet wurden als bei der anderen.
Hygieniker: Desinfektion durch heißes Wasser nicht möglich
Dr. Christian Brandt, Mitglied der Ständigen Arbeitsgemeinschaft „Allgemeine und Krankenhaushygiene“ der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM), ergänzt gegenüber FITBOOK: „Das Wasser soll eine angenehme Temperatur haben und nicht zu heiß sein.“ Es sei nicht möglich, eine thermische Desinfektion durch heißes Wasser zu erreichen, sagt Dr. Brandt. Denn dazu müsste es über 70 Grad Celsius heiß sein – und das kann die Haut schädigen. Wer zu warmes Wasser benutzt, riskiert Verbrühungen. Und damit, die empfohlene Dauer von 20 Sekunden nicht einzuhalten.
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Ist Seife ein Muss beim Händewaschen?
Immer Seife benutzen, trocknet die Hände zu stark aus? Dann macht es Sinn, auf pH-neutrale Waschlotionen zurückzugreifen. Denn ein Abspülen mit Wasser ohne Seife kann zwar groben Dreck beseitigen, aber keine Erreger von der Haut entfernen, warnt Hygiene-Experte Dr. Brandt. Sind Wasser und Seife nicht verfügbar – etwa auf Reisen oder im Supermarkt – sei es deshalb sinnvoller, die Hände mit alkoholischem Mittel zu desinfizieren, als nur mit klarem Wasser abzuwaschen.
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Zur Regel müsse das Desinfizieren aber im Alltag nicht werden. „Für die meisten Menschen und Situationen reduziert das Händewaschen mit Wasser und Seife die Zahl der auf den Händen befindlichen Erreger ausreichend“, sagt Dr. Brandt gegenüber FITBOOK. Allerdings sei die Händedesinfektion bei der Tätigkeit im Gesundheitswesen und beim professionellen Umgang mit Lebensmitteln meist effizienter, schneller und hautschonender. Das Gleiche gelte in bestimmten Fällen im privaten Haushalt, etwa beim Umgang oder der Pflege mit Kranken.