14. März 2025, 13:05 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Rauchen ist nach wie vor die häufigste Ursache für Lungenkrebs. Zunehmend erkranken aber auch Menschen, die dem Laster nie verfallen sind oder zumindest schon lange nicht mehr geraucht haben. Die Frage, welche weiteren Faktoren eine Rolle spielen, beschäftigt die Forschung schon länger. Eine Studie hat nun einen Zusammenhang zwischen der Art der Ernährung und Lungenkrebs nachgewiesen.
Im Gegensatz zu anderen Krebsarten wurde Lungenkrebs lange Zeit nicht mit der Art der Ernährung in Verbindung gebracht. Doch seit einigen Jahren rückt ein möglicher Zusammenhang in den Fokus der Wissenschaft. FITBOOK berichtete über eine chinesische Studie, die zu dem Ergebnis kam, dass eine fettarme Ernährung das Lungenkrebsrisiko senken könnte.1 Eine neue Studie liefert nun wiederum Hinweise auf einen möglicherweise negativen Einfluss der Ernährung auf das Lungenkrebsrisiko.2
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Übersicht
Studie zum Einfluss der Ernährung auf Lungenkrebsrisiko
Die Studie konzentrierte sich auf den Zusammenhang zwischen Lungenkrebs und der Ernährung und untersuchte dabei speziell die Rolle von Glykogen. Der Körper nutzt dieses Molekül als Energiespeicher, um überschüssigen Zucker zu speichern. Eine kohlenhydratreiche Ernährung könnte daher die Glykogenproduktion anregen.
Glykogenansammlungen wurden bereits bei verschiedenen Krebsarten nachgewiesen, erklärt Studienautor Dr. Ramon Sun von der University of Florida (UF) in einer Pressemitteilung.3 Wie verhält es sich also bei Lungenkrebs?
Details zur Untersuchung
Für die Methodik der Studie diente die Lafora-Krankheit als Modell, um die Auswirkungen der Glykogenspeicherung auf Krankheiten wie Lungenkrebs zu untersuchen. Dabei handelt es sich um eine neurologische Erkrankung, die durch eine abnorme Anhäufung von Glykogen in den Hirnzellen gekennzeichnet ist. Das Wissen über die Lafora-Krankheit stammt aus einer 20-jährigen Studie, an der die Studienautoren Sun und Matthew Gentry beteiligt waren.4 Die Forscher stützten sich auf diese Erkenntnisse, um die Auswirkungen von Glykogenansammlungen speziell im Zusammenhang mit Lungenkrebs zu untersuchen. Sie verwendeten eine von Sun entwickelte Metabolomik-Plattform, die eine präzise Analyse der Verteilung und Aktivität sogenannter Metaboliten (kleiner Moleküle, die an Stoffwechselprozessen beteiligt sind) ermöglicht.
Die Labormodelle und Computersimulationen wurden an Mäusen mit Lungenkrebs durchgeführt. Die Forscher verabreichten ihnen eine „westliche Diät“, wie es in der Pressemitteilung heißt, also eine Ernährung mit viel Fett und Fruchtzucker. Diese erhöhte den Glykogengehalt im Blut der Tiere. Ziel war es herauszufinden, ob dieser erhöhte Glykogenspiegel das Tumorwachstum in den Lungen der Tiere beeinflusst. Und genau das war der Fall.
Ergebnisse und Bedeutung
Die Untersuchung zeigte, dass Glykogen im Fall von Lungenkrebs als wichtiger Stoffwechselfaktor das Tumorwachstum begünstigt – vergleichbar mit einem „riesigen Lutscher, der den süßen Zahn des Krebses anregt“. So steht es in der Pressemitteilung. Der Ausdruck „süßer Zahn“ ist eine gängige Metapher im englischen Sprachraum, die die Vorliebe nach Süßem beschreibt, ähnlich wie bei einer Naschkatze.
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Das Forscherteam schlussfolgert daraus, dass eine fett- und zuckerreiche Ernährung die Glykogenwerte im Körper erhöht und somit Bausteine für das Wachstum von Krebszellen liefert. Umgekehrt sind Glykogenansammlungen laut Sun ein wichtiger Indikator für den Verlauf von Lungenkrebs. Auch für die Behandlung könnten die gewonnenen Erkenntnisse von Vorteil sein. Laut Studienautor Gentry gibt es mehrere, ursprünglich zur Behandlung der Lafora-Krankheit entwickelte Medikamente, die auf die Glykogenwerte im Körper einwirken.
Die Forscher betonen außerdem, dass eine „nährstoffreiche Ernährung“ eine wichtige Rolle spielt. Eine Verbesserung der Lebensmittelauswahl könnte demnach effektiv zur Vorbeugung von Lungenkrebs beitragen. Darüber hinaus seien die Aufrechterhaltung eines aktiven Lebensstils und die Reduzierung des Alkoholkonsums grundlegende Strategien für eine langfristige Gesundheit. Und natürlich: der Verzicht auf das Rauchen.

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Einschränkungen
Die Studie wurde an Mäusen durchgeführt, sodass fraglich ist, inwieweit sich die Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen. Zudem ist es eine Einschränkung, dass sich die Forscher ausschließlich auf Glykogen konzentrierten. Andere ernährungsbedingte und darüber hinausgehende Faktoren, die das Krebsrisiko beeinflussen könnten, wurden nicht berücksichtigt.