19. Januar 2023, 11:36 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Disziplin spielt eine Rolle dafür, ob man es schafft, vernünftige Ernährungsgewohnheiten beizubehalten. Doch ob das mit dem Abnehmen auch nachhaltig gelingt, hängt noch maßgeblicher von der individuellen Funktionsweise des Stoffwechsels ab. Das haben Forscher der Universität Stanford in einer Studie herausgefunden. Was damit gemeint ist, lässt sich demnach anhand spezieller Biomarker ermitteln.
Im Rahmen einer konsequenten Diät die zugeführten Kalorien zu reduzieren, kann dabei helfen, Gewicht zu verlieren – zumindest kurzfristig. Wenn man aber dauerhaft abnehmen möchte, sind vielmehr bestimmte Biomarker entscheidend, die aufzeigen, in welcher Weise der Stoffwechsel funktioniert. So zunächst die Zusammenfassung der Erkenntnisse einer kürzlich erschienenen Studie der US-amerikanischen Universität Stanford1. FITBOOK erklärt, was die Forscher herausgefunden haben.
Übersicht
Stoffwechsel-Typ entscheidet übers Abnehmen
Die Erkenntnisse der Untersuchung sollen eine Antwort darauf liefern, warum es manchen Menschen schwerfällt, dauerhaft an Gewicht zu verlieren. Denn die Forscher gehen auf Basis ihrer Studie davon aus, dass bestimmte Biomarker für die Qualität eines Abnehmerfolgs entscheidend sind. Hierzu zählen demnach bestimmte Eigenschaften des Darmmikrobioms, daneben die körpereigene Fähigkeit zum Bilden von Proteinen sowie zuletzt die Zusammensetzung (genauer: der Kohlendioxidgehalt) der ausgeatmeten Luft. Diese Biomarker sollen Auskunft darüber geben, wie der Stoffwechsel der abnehmwilligen Person funktioniert, sprich: ob sie eher abnehmen kann, wenn sie jeweils auf Kohlenhydrate oder auf Fett verzichtet.
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Ablauf der Studie
Das Team um Ernährungsforscherin Dalia Perelman stützt sich auf Daten von 609 Studienteilnehmern. Sie alle sollen über einen Zeitraum von einem Jahr exakt protokolliert haben, was sie zu sich nahmen. Dabei verfolgten sie jeweils eine fett- oder kohlenhydratarme Ernährungsweise, in beiden Fällen bestehend aus vordergründig unverarbeiteten Lebensmitteln. Wie diszipliniert sie sich an ihre Diäten hielten, wie viel sie sich im Verlauf der Studie bewegten und an Kalorien verbrannten – all das wurde ebenfalls verfolgt und dokumentiert.
Weiterhin testeten die Forscher die Studienteilnehmer körperlich. Sie ermittelten etwa den „respiratorischen Quotienten“ der Probanden, also den Gehalt an Kohlendioxid, den sie nach der Aufnahme von Sauerstoff mit der Atemluft ausstießen. Der Wert lässt Rückschlüsse darauf zu, welche Makronährstoffe der untersuchten Person als „Brennstoff“ dient. Man geht davon aus, dass Menschen mit einem geringen Kohlendioxidanteil in der Ausatemluft mehr Energie durch die Aufnahme von Fetten beziehen und somit auch schneller Fett verbrennen. Ein höherer Kohlendioxidgehalt dagegen spricht dafür, dass ihr Stoffwechsel Kohlenhydrate besser verarbeitet.
„Wir stellten zu Beginn des Studienzeitraums – bevor die Personen mit ihren jeweiligen Diäten begonnen hatten – spezifische Mikrobiom-Typen sowie ein unterschiedliches Vorkommen an Proteinen und Enzymen fest.“ Das erklärt Studienleiterin Perelman in einer Presseveröffentlichung der Universität Stanford.2 Später sollte sich demnach herausstellen, dass diese Biomarker einen maßgeblichen Einfluss darauf hatten, ob die Probanden ihre Gewichtsreduktion langfristig halten konnten oder nicht.
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Unterschiedliche „Brennstoff“-Verwertung je nach Stoffwechsel
Ein Großteil der Probanden soll nach Ablauf von sechs Monaten an Gewicht verloren haben. Doch ein weiteres halbes Jahr später habe sich dann gezeigt: Das reduzierte Gewicht dauerhaft zu halten, war nur vereinzelten der Probanden gelungen. Und das, obwohl alle von ihnen bei den zunächst erfolgreichen Ernährungsweisen, die in allen Fällen auch eine Kalorienrestriktion bedeutete, geblieben waren. Insbesondere kristallisierte sich dadurch die Bedeutung des individuellen Brennstoffs (=Kohlenhydrate oder Fett) heraus. Diejenigen Probanden, die eine für ihren Stoffwechseltypen geeignete Diät gehalten hatten, blieben länger schlank.
Erkenntnisse könnten Millionen Menschen beim Abnehmen helfen
Die Forscher hoffen, dass ihre Erkenntnisse in breitem Ausmaß dazu genutzt werden können, Übergewichtige beim Abnehmen zu unterstützen. Dazu bräuchte es nicht viel mehr als maßgeschneiderte Ernährungspläne je nach Stoffwechsel. Um diesen zu ermitteln, so Stanford-Professor Michael Snyder in der Pressemitteilung, rückte insbesondere die Zusammensetzung des Darmmikrobiums in den Fokus.
Noch müsste jedoch weiterführende Forschung betrieben werden, um die Ergebnisse zu stützen. Bis dahin empfehlen die Uni-Forscher, stark Verarbeitetes und Fertiggerichte sowie Zucker zu meiden, wenn man abnehmen will, unabhängig vom individuellen Stoffwechsel. „Lernen Sie zu kochen“, rät Snyder. „Wer bei seiner Ernährung auf die Qualität der Lebensmittel achtet, kann aufs Kalorienzählen verzichten.“

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Quelle
- 1. Li, X., Perelman, D., Leong, A. et al. (2022) Distinct factors associated with short-term and long-term weight loss induced by low-fat or low-carbohydrate diet intervention, Cell Reports Medicine.
- 2. Standford Medicine, Scope: Biomarkers predict weight loss, suggest personalized diets (aufgerufen am 19.1.2023)