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Studie zeigt

Eine schwere Corona-Infektion kann womöglich Krebstumore schrumpfen lassen

Ein Wirkmechanismus hinter der Corona-Infektion könnte dabei helfen, Krebs-Tumore zu bekämpfen, wie Forscher herausfanden
Ein Wirkmechanismus hinter der Corona-Infektion könnte dabei helfen, Krebstumore zu bekämpfen, wie Forscher herausfanden Foto: Getty Images/Science Photo Library RF
Martin Lewicki
Freier Autor

27. November 2024, 15:57 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Die Coronapandemie hat von 2020 bis 2023 das Weltgeschehen bestimmt. Kein Wunder, dass die meisten Menschen ungern an diese Zeit zurückdenken. Umso überraschender, dass jetzt eine Studie einen positiven Effekt der Corona-Infektion auf Krebstumore zeigt.

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Die Coronapandemie hat unzählige Menschenleben gekostet. Aber auch die damit verbundenen Freiheitseinschränkungen haben ihre Spuren hinterlassen und die Gesellschaft gespalten. Nicht zuletzt leiden bis heute noch viele Menschen an den Folgen einer Corona-Infektion beispielsweise in Form von Long Covid. Bei einigen Betroffenen sind die Beschwerden sogar stärker als bei Krebspatienten (FITBOOK berichtete). Nun ist eine neue Studie erschienen, die ausnahmsweise einen positiven Nebeneffekt von Corona aufzeigt – ausgerechnet auf Krebs. So können Krebstumore durch eine Corona-Infektion womöglich schrumpfen, sagen Wissenschaftler. Allerdings muss man die dieser Erkenntnis zugrundeliegenden Studie mit Vorsicht betrachten.

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Auf der Suche nach einer effektiven Krebstherapie

Krebsbekämpfung gehört zu den größten medizinischen Herausforderungen. Forscher auf der ganzen Welt arbeiten daran, effektive Krebstherapien zu entwickeln. Und das ist auch dringend nötig, denn Krebserkrankungen gehören zu den häufigsten Todesursachen. 2023 gab es allein in Deutschland 238.622 Tote aufgrund von Krebs, wie die Datenbank Statista in einer Auswertung aufzeigt.1 Damit war Krebs die zweithäufigste Todesursache hinter Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Deswegen sind Forschungserfolge bei Krebstherapien besonders wichtig. FITBOOK berichtete beispielsweise über einen neuartigen Selbstzerstörungsmechanismus, den Forscher bei Krebszellen auslösen konnten. Nun haben Wissenschaftler bei Untersuchungen an Mäusen herausgefunden, dass die gefürchtete Corona-Infektion womöglich das Wachstum von Krebstumoren hemmt.2

Forscher experimentierten mit verschiedenen Krebsarten

In der aktuellen Studie untersuchten Forscher von der Northwestern University in Chicago die Wirksamkeit von weißen Blutkörperchen bei der Bekämpfung von Krebs. Die sogenannten Monozyten spielen eine entscheidende Rolle bei der körpereigenen Abwehr von Infektionen und Krankheiten. Mann nennt sie auch Fresszellen, weil sie das Immunsystem gegen Erreger verteidigen.

Um die Wirksamkeit der Monozyten zu belegen, führten die Wissenschaftler Experimente an Mäusen durch. Dabei hatten die Mäuse verschiedene Krebsarten im fortgeschrittenen Stadium (sogenanntes Stadium 4). Sie litten entweder an Haut-, Lungen-, Brust oder Darmkrebs. Zur Behandlung erhielten die Mäuse ein Medikament, das eine Immunreaktion wie bei einer schweren Corona-Infektion auslöste. Dies führte zu einer erhöhten Produktion der Monozyten.

Der erstaunliche Effekt dieser Behandlung: Alle vier Krebstumorarten der Mäuse fingen an, nach dieser Corona-ähnlichen Infektion zu schrumpfen.

Besondere Monozyten lassen Krebstumore schrumpfen

Im Gegensatz zu normalen Monozyten, die von Tumoren zum eigenen Schutz umgewandelt werden können, behielten die hier ausgelösten Monozyten ihre krebsbekämpfenden Eigenschaften bei. Sie waren sogar in der Lage, direkt zu den Tumoren vorzudringen. Eine Besonderheit, da die meisten Immunzellen dies nicht können. Dort aktivierten sie dann die natürlichen Killerzellen. Diese Killerzellen griffen anschließend die Krebszellen an und ließen die Tumore schrumpfen.

Besonders interessant ist die Tatsache, dass eine schwere Corona-Infektion den Körper dazu bringt, diese einzigartigen Anti-Krebs-Monozyten zu produzieren. Diese Erkenntnis könnte nun neue Möglichkeiten der Krebsbehandlung schaffen. Denn dahintersteckt ein besonderer Mechanismus, der sich womöglich mit Medikamenten nachahmen lässt. Die Forscher fanden heraus, dass diese durch die Corona-Infektion ausgelösten Monozyten einen speziellen Rezeptor besitzen, der sich gut an eine bestimmte Sequenz der Covid-RNA bindet.

Laut den Forschern ist es unwahrscheinlich, dass die vorhandenen Corona-Impfstoffe diesen Mechanismus auslösen, da sie nicht die vollständige RNA-Sequenz des Virus enthalten. Doch dank dieser Studie könnten in Zukunft Medikamente und Impfstoffe entstehen, welche die Produktion der krebsbekämpfenden Monozyten anregen. Hierzu braucht es allerdings noch weitere Forschung an Menschen, denn die bisherigen Untersuchungen fanden bei Mäusen statt.

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Forscher warnen Krebspatienten vor bewusster Infektion mit Corona!

Die Forscher warnen jedoch Menschen davor, sich bewusst mit Corona zu infizieren, um diesen Krebs bekämpfenden Mechanismus auszulösen – falls das überhaupt bei Menschen funktioniert. Denn Corona-Infektionen können nach wie vor zu schweren Symptomen und im schlimmsten Fall sogar zum Tod führen. Außerdem besteht die Gefahr, langfristig an Long Covid zu erkranken. Die Studie kann jedoch dabei helfen, dass in Zukunft Medikamente und Therapien entstehen, die sich den Krebs bekämpfenden Mechanismus zunutze machen, ohne die Patienten zu gefährden.

Denn bislang werden Krebspatienten vor einer Corona-Infektion gewarnt. Der Krebsinformationsdienst beispielsweise weist darauf hin, dass Corona besonders Patienten, die an Blutkrebs erkrankt sind sowie Patienten mit einer fortgeschrittenen Krebserkrankung gefährdet.3 Diese haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19. Das betrifft auch Erkrankte, deren körpereigenes Abwehrsystem beispielsweise durch Medikamente schwer geschwächt ist. Stattdessen wird zum Schutz vor einer Infektion einer Impfung empfohlen.

Es gab zwar auch Einzelfälle, bei denen ein Krebspatient aus England (61) und ein weiterer in Italien (20) nach einer Corona-Infektion einen Großteil der Krebszellen besiegen konnten.4 Doch bereits im Jahr 2021 als diese publik wurden, waren sich Experten sicher, dass es reine Einzelfälle waren. „Es gibt in ganz seltenen Fällen das Phänomen, dass durch eine allgemeine Infektion Krebserkrankungen schrumpfen können. Das wurde schon 1893 zum ersten Mal beschrieben – so wurde die Immuntherapie erfunden“, erklärte Onkologe Michael von Bergwelt im Gespräch mit „Bild“.

Themen Coronavirus Krebs

Quellen

  1. Statista: Jährliche Todesfälle aufgrund von Krebs¹ in Deutschland in den Jahren 2000 bis 2023 (aufgerufen am 27.11.2024) ↩︎
  2. Liu, X., Ren, Z., Tan, C., et. al. (2024). Inducible CCR2+ nonclassical monocytes mediate the regression of cancer metastasis. The Journal of Clinical Investigation. ↩︎
  3. Krebsinformationsdienst: Corona, COVID-19 und Krebs (aufgerufen am 27.11.2024) ↩︎
  4. BILD: Krebspatient (61) nach Corona-Infektion plötzlich geheilt (aufgerufen am 27.11.2024) ↩︎

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